Jésuites
 
    
  Jesuiten wirken in Bildungshäusern

Bildungshäuser
 
 

 
 
Braucht es Erwachsenenbildung, ist sie nützlich, notwendig oder ein schöngeistiger Luxus? Was bewirkt sie? Braucht es neben der fachlichen Aus- und Weiterbildung, die der grösseren Vermittelbarkeit auf dem Arbeitsmarkt dient, auch noch die Persönlichkeitsbildung, insbesondere eine spirituelle, angeboten von religiösen Gemeinschaften? Und wie kann eine spezifisch «christliche Bildung» aussehen in einer multikulturellen, zivilgesellschaftlichen und «nachchristlichen» Umgebung?

Trotz oder gerade wegen dieser vielen Fragen öffnen sich jesuitische Bildungshäuser gegenüber den anderen Religionen und Konfessionen sehr bewusst. Dies bedeutet kein beliebiges Umarmen, jeder Dialog hat seinen Ort. Es gibt keine wertfreie Didaktik und Methodik der Erwachsenenbildung. Die Entgrenzung von Religion hat unsere Bildungsvoraussetzungen und Bildungsziele verändert. Die Menschen stellen andere Fragen und erwarten eine adäquate Sprache. Die Nachfrage nach Religion, Ethik und Spiritualität ist heute mehr denn je intakt. Die Beschäftigung mit alltagstauglichen Welt- und Menschenbildern bleibt insbesondere unter den Bedingungen der heute möglichen Kulturbegegnungen höchst aktuell. Gerade in der Auseinandersetzung mit Esoterik und den nicht-christlichen Weltreligionen darf nicht die Irritation der konfessionell eingeübten Praxis erkenntnisleitend sein, sondern die gemeinsame religiöse Erfahrung und vor allem die kritische Unterscheidung der Geister, ob ein bildendes Ereignis den Menschen tatsächlich grösser und freier, oder kleiner und höriger macht. In ideengeschichtlicher Perspektive ist auch der interreligiöse Dialog mit dem Islam oder beispielsweise die Einführung von Christen in den Zen-Buddhismus ein Teil christlicher Bildung, geradeso wie die Auseinandersetzung mit neuen spirituellen Formen der Gotteserfahrung dazugehört, auch wenn besorgte Christen die Frage stellen, was denn in christlichen Bildungshäusern Heilfasten, Pendeln und meditatives Blumenstecken verloren hätten.

Lukas Niederberger SJ, Bad Schönbrunn

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