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Seit ihrer Gründung hat die Gesellschaft Jesu die intellektuelle Arbeit hochgeschätzt als wichtige Auseinandersetzung mit den geistigen Strömungen jeder Epoche und als einen bedeutenden Beitrag zur Verbundenheit mit den Menschen der jeweiligen Zeit und ihrer Kultur. Vermutlich ist dieses Bemühen heute besonders wichtig. Jedenfalls hat die 34. Generalkongregation von 1995 mit Nachdruck die Wichtigkeit der intellektuellen Qualität aller unserer apostolischen Arbeiten bestätigt und ein eigenes Dekret «Die intellektuelle Dimension der Dienste der Jesuiten» ausgearbeitet und verabschiedet. In der gegenwärtigen Zeit, lesen wir da, die von schnellen und radikalen Veränderungen geprägt ist, sei der Wert dieses Aspekts unseres Dienstes von grundlegender Bedeutung.
Zur intellektuellen Arbeit gehört die Anerkennung von eigenverantwortlicher Autonomie und Freiheit, wie sie notwendige Erfordernisse für den Fortschritt in der wissenschaftlichen Lehre und Forschung sind. Wenn gläubige Menschen die legitime Autonomie der Wissenschaft nicht anerkennen, z.B. aus einer fundamentalistischen Haltung heraus, kann das zu Tragödien führen, wie sie aus den letzten Jahrhunderten wohlbekannt sind.
Unter den Arten des intellektuellen Apostolats im Dienst am Reich Gottes hat die theologische Forschung und Reflexion einen besonderen Platz. Schon im 1. Petrusbrief wurde von den Christen gefordert: «Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt» (3,15). Pedro Arrupe, Generaloberer von 1965-1983, hat eindringlich darauf hingewiesen, dass zusammen mit der theologischen Reflexion auch eine soziale Analyse erforderlich ist, um die strukturellen Ursachen der gegenwärtigen Ungerechtigkeiten aufzudecken.
Theologische Reflexion, soziale Analyse und Unterscheidung, die immer ein Anliegen der Jesuiten gewesen ist, sind Phasen eines Prozesses, den Papst Johannes XXIII. und das Zweite Vatikanische Konzil als ein Lesen der Zeichen der Zeit bezeichnet haben: das Bemühen, in den Ereignissen der aktuellen Geschichte die Gegenwart und das Handeln Gottes zu erkennen, um entscheiden zu können, was zu tun ist.

Das intellektuelle Apostolat wurde und wird in der Schweizer Jesuitenprovinz gewiss nicht ausschliesslich, aber doch vorwiegend durch die beiden Zeitschriften Choisir in Genf und Orientierung in Zürich geleistet. Beides sind keine Fachzeitschiften, wohl aber versuchen sie, einer interessierten Leserschaft Ergebnisse der Wissenschaften zu vermitteln.

Werner Heierle, SJ, Zürich

> Orientierung Einführung

> Choisir: www.choisir.ch


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