Zum 100. Todestag von Abbé Joye, Filmpionier und Jugendseelsorger: Dokfilm am 15. März und Filmseminare

Er vermochte im reformierten Basel eine Generation junger Katholikinnen und Katholiken zu begeistern: Abbé Joye (1852 – 1919), Jugendseelsorger, Fotograf, Cineast – und Gründer des ersten Basler Kinos. Zum 100. Todestag wird das Wirken des Jesuiten noch einmal lebendig: Das aki Zürich gedenkt ihm mit einem Filmseminar am 3. März und dem Dokfilm «A propos de Joye» am 15. März, das Lassalle-Haus mit Seminaren übers Jahr verteilt.

Joseph Alexis Joye kommt am 18. April1852 in Romont FR als erster von fünf Söhnen zur Welt. Der Vater stirbt, als er elf ist. Finanziell hat die Familie wohl wenig Sorgen. Joseph schaft den Übertritt ans Gymnasium St. Michel in Fribourg. Schon der 17-Jährige äussert den Wunsch, Jesuit zu werden. Er wird ins Noviziat aufgenommen. Es folgen ordensübliche Studien in Deutschland, Holland, Belgien und England, unterbrochen vom Sanitätsdienst, den er im Deutsch-Französischen Krieg 1870 zu leisten hat. 1882 wird er zum Priester geweiht. Gerne wäre er Missionar in Übersee geworden, doch seine Oberen schicken ihn nach Basel. Er wird Vikar in der St. Clara-Pfarrei, dann in der neuen Pfarrei St. Marien, wo er sich um die Französisch sprechenden Katholikinnen und Katholiken kümmert. Während den 25 Jahren seines Wirkens verschiebt sich sein Schwerpunkt auf die Jugendarbeit; von 1911 bis 1915 ist er zudem Provinzial im deutschsprachigen Raum.

Jugendseelsorger, Fotograf, Cineast
Abbé Joye erobert sich in kurzer Zeit die Herzen der katholischen Basler Schuljugend. Besonders in der Sonntagsschule kann er seine Fähigkeiten voll entfalten. Er weiss spannende Geschichten aus der Bibel zu erzählen, und in seiner narrativen Theologie kommt sein Hobby zum Zug: das Fotografieren. Augenzeugen erinnern sich an den Lattenverschlag auf dem Dachboden des Pfarrhauses – seine Dunkelkammer, wo er mit einem Diamanten aus Resten von Fensterglas Fotoplatten schneidet. Altes Geschirr dient bei der Filmentwicklung, eine Badewanne zum Wässern der entwickelten Platten. Seine Bilder sucht er in Büchern und Illustrierten zusammen. So entstehen in Kleinstarbeit 16 000 handkolorierte Dias, die er für Schule und Erwachsenenbildung einsetzt – seine Dienstagsvorträge sind legendär. Ein Mitarbeiter berichtet: «Herr Abbé fotografierte und entwickelte alle Bilder meist selber und opferte für seine Diapositive Ruhe und Schlaf. Besonderen Spass machte es ihm, die Bilder zu bemalen. Es war eine Freude, ihm zuzusehen, wie er die schwarzweissen Dias mit sicherem Pinselstrich verwandelte.»
Joye pflegt Kontakt mit dem Chemiker Auguste Lumière in Lyon, dem Erfinder des Kinematographen, und mit «Pathé Frères» in Paris und Berlin, der ersten Filmgesellschaft. 1901 kommt er zu seinem ersten kurzen Filmstreifen, ab 1905 zeigt er regelmässig Filme – erst zwei Jahre später gibt es in Basel das Kino «Fata Morgana». Ein Filmverleih existiert noch nicht, man muss die Filme kaufen. Abbé Joye verschafft sich von überall her neue. So entsteht eine Sammlung von über 2000 Filmen.
Der Abbé gründet das Waisenhaus Vinzentianum und das Jugendheim Borromäum. Gegen viele Widerstände kämpft er für den Bau eines Saales im Borromäum, wo sich eine vielfältige Tätigkeit entwickelt: Der Jünglingsverein inszeniert Theater- und Musikaufführungen, wobei der Pater stets treibende Kraft ist. Aus dem «wissenschaftlichen Schülerzirkel», 1907 von ihm ins Leben gerufen, entsteht später die akademische Vereinigung «Renaissance».
Am 1. März 1919 stirbt Joseph Joye 67-jährig. Begraben ist er ob Zug, auf dem Jesuiten-Friedhof beim Lassalle-Haus.

Die Joye-Collection
Von den Filmen, die Joye sammelte, sind heute rund 1200 erhalten. 1976 hat der Jesuit Stefan Bamberger die Sammlung dem «National Film Archive» in London zur fachgerechten Restauration übergeben. Die Joye-Collection gilt in Filmkreisen als Sensation. Für die Filmhistorikerin Mariann Lewinsky-Sträuli dokumentiert sie «in einzigartiger Weise» die Geschichte der Filmproduktion in der dynamischsten Entwicklungsphase und durch sie «die Welt und Kultur ihrer Epoche». Die Sammlung enthält Meilensteine der frühen Kinogeschichte, die man längst verloren glaubte.
Die Kopien sind alle in 35-mm-Format. «Es wäre grossartig, wenn ein Projekt zu Stande käme, damit die Joye-Filme auf restaurierten Filmkopien in geretteten Farben der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden könnten», so Beat Schneider, stellvertretender Direktor der Institution Stadtkino Basel.
Hansruedi Kleiber SJ, Franz-Xaver Hiestand SJ

 

ZUM 100. TODESTAG VON ABBÉ JOYE SJ

Filmarbeit der Jesuiten einst und heute

Mit Jesuit Christof Wolf SJ, Filmemacher und Produzent, Loyola-Productions München
Sonntag, 3. März 2019, 15 – 18 Uhr
Anmeldung Lassalle-Haus, Bad Schönbrunn, Edlibach ZG

A propos de Joye
Film von Isolde Marxer
Freitag, 15. März 2019, 19.30 Uhr, Kollekte
Anmeldung aki Zürich, Hirschengraben 86, Zürich

Jesuiten als Filmpioniere und Hauptfiguren in Filmen
Seminar aus Anlass des 100. Todestages von Abbé Joye SJ
Samstag, 16. März 2019, 15 – 22 Uhr
Anmeldung aki Zürich, Hirschengraben 86, Zürich

Arbeit mit Filmen
Bewegte und bewegende Bilder: Christof Wolf SJ und Franz-Xaver Hiestand SJ loten in bester Abbé Joye-Tradition die inspirierende Kraft von Filmen unserer Tage in dieser besonderen Form von ignatianischen Exerzitien aus.

  • Zugänge zur spirituellen Dimension von Filmen
    01. – 03. März 2019, Fr 18.30 – So 13 Uhr
  • Exerzitien mit Filmen
    13. – 18. Oktober 2019, So 17 – Fr 13 Uhr
    Anmeldung Lassalle-Haus

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