D’Zämmearbet verhäbt! Ein Sommer im Lassalle-Haus.

Mathias Werfeli SJ von Mathias Werfeli SJ,

Es ist 05.30 Uhr morgens, der Tag beginnt. Ein Blick aus dem Fenster: die Sonne scheint und ich freue mich auf das Schwimmen. Zusammen mit einem Mitbruder nutzen wir die Nähe zum Zugersee und beginnen den Tag mit einigen Kilometern im kühlen Nass (also er macht einige Kilometer – und ich ein paar hundert Meter...). Der Körper ist wach – nun folgt der Geist! Nach dem gemeinsamen Frühsport auch das gemeinsame Meditieren.

Das Gebet in der Hausgruppe weckt den Geist und lenkt meinen Sinn auf das Wesentliche: ich versuche mich täglich neu auf Gott auszurichten und mich darauf einzustellen, wo und in welcher Person mir Jesus heute begegnet. Die Zeit im Meditationsraum gibt mir Kraft, „denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen“. Tobias Karcher, der Leiter des Lassallehauses, unterstreicht die Bedeutung des Gebets: „Wir verstehen uns als ein Team, das zusammenarbeitet und auch zusammen in die Stille geht.“

Um halb acht frühstücken wir und nutzen die Zeit für den mitbrüderlichen Austausch. Gegenüber unserem Nestor, der gerade seinen 95. Geburtstag gefeiert hat, fühle ich mich mit meinen 43 Jahren richtig jugendlich. Ich schätze es sehr, wie bei diesen Morgenessen Lebens-Erfahrung und Humor zusammenkommen. Allen, die vom Wohnen im Mehr-Generationenhaus reden, kann ich nur sagen: Kommen sie einmal in eine ganz normale Jesuitenkommunität.

Danach geht jeder seinen Aufgaben nach. Mein Weg führt mich sieben Stockwerke nach unten in die Küche. Dort erwartet mich der Küchenchef und (meistens) ein Berg von Gemüse und Salat, den es zu rüsten und zu waschen gilt. Das gefällt mir. Die Arbeit ist abwechslungsreich und spannend, die Gespräche im Küchenteam geprägt vom freundschaftlichen Umgang miteinander. Wegen der Coronakrise konnten wir im Sommer keine Langzeitgäste aufnehmen, die sonst in der Küche und im Haus mithelfen, so freue ich mich, das Team zu entlasten.

Neben den 30 Angestellten arbeiten im Lassallehaus auch vier Mitbrüder in unterschiedlichen Leitungsfunktionen. Es ist ein Miteinander, das uns alle zu Mitarbeitern einer Sendung macht. Wie sagt es unser Generalobere, Arturo Sosa: „Jesuiten sind berufen zur Sendung Jesu Christi, die nicht uns allein gehört, sondern die wir mit so vielen anderen Männern und Frauen teilen, die ihr Leben dem Dienst an den Nächsten geweiht haben.“ (36. Generalkongregation, Dekret 1)

Ob Küche, Service, Hauswirtschaft, Technik, Verwaltung, Marketing, Sekretariat oder Programmgestaltung, alle arbeiten für das gleiche Ziel: sie helfen den Menschen, die ins Lassallehaus kommen, ihren spirituellen Weg zu finden, in einer Stille die bewegt. Es braucht jede und jeden, sonst funktioniert es nicht. Zum Beispiel: unsere hauseigene Quelle hatte in diesem Sommer Mühe mit der Trockenheit. Deshalb musste jeden Morgen jemand den Wasserstand im Reservoir kontrollieren, sonst wäre das Haus plötzlich ohne Wasser dagestanden.

Dieser „Jemand“ gab es übrigens immer schon! Gerne erzählen wir manchmal mit einem Hauch Nostalgie, wie wir Jesuiten früher alles selbst gemacht hätten. Aber schon immer gab es Freiwillige und andere Helfer (gerade den Ingenbohler Schwestern verdankt das Lassallehaus viel!), die in und an unseren Werken mitarbeiteten. Das bezeugte schon der Heilige Ignatius, der ganz selbstverständlich mit Nicht-Jesuiten zusammenarbeitete. Und so gehören zu den Mitarbeitern auch die externen Kursleiterinnen und Kursleiter, die das Haus mitgestalten und bereichern. Und natürlich auch alle Freunde, die uns in der einen oder anderen Weise unterstützen.

So trägt jede und jeder an seinem Platz einen Teil der Verantwortung, damit wir das grosse Ganze nicht aus den Augen verlieren. Das bedeutet in Zeiten von Corona, auch den wirtschaftlichen Umständen Rechnung tragen, was schmerzhaft sein kann, aber auch notwendig ist. Als ehemaliger Offizier, der erst beginnt, als Jesuit Verantwortung zu tragen, weiss ich aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, den Ängsten und Sorgen im Team Rechnung zu tragen und die Motivation zu stützen. Wir Jesuiten können es uns heute nicht mehr leisten, Einzelkämpfer und Superman zu spielen – dafür verdanken wir den anderen Mitarbeitern zu viel an Unterstützung!

Umso mehr war ich während meines Aufenthaltes im Lassallehaus von der Motivation und Bereitschaft aller beeindruckt, ihr Bestes zu geben und unser Haus, dessen markanter Bau dieses Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feiert, auch für die Zukunft zu sichern.

Das Lassallehaus verhäbt. Merci villmol!

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