Katharina von Siena: Wir brauchen mehr denn je Brückenbauerinnen wie sie

von Andreas Schalbetter SJ,

Katharina von Siena (1347-1380) gilt als eine der grössten Frauen der Kirchengeschichte. Sie hat mächtigen Kirchenmännern ins Gewissen geredet: «Im Garten der Kirche müssten die faulenden Pflanzen ausgerissen und durch frische, duftende neue Pflanzen ersetzt werden.» Am heutigen 29. April ist ihr Gedenktag.

Sie engagierte sich gegen den Verfall und für Reformen der Kirche.
Katharina sorgte sich um Arme und Kranke in Siena. Sie pflegte Pestkranke und steckte sich 1374 selber an; dies hielt sie nicht davon ab, Pestkranke weiterhin zu pflegen. Einem frierenden Bettler schenkte sie ihren Mantel. Daraufhin wurde sie kritisiert: Es sei unschicklich, ohne Mantel auf die Strasse zu gehen. Sie erwiderte, sie wolle sich lieber ohne Mantel als ohne Liebe finden lassen. Die damals 27-Jährige überlebte die Krankheit und starb sechs Jahre später 33-jährig in Rom.
Katharina von Siena ist Kirchenlehrerin und zusammen mit Birgitta von Schweden und Edith Stein Schutzheilige des europäischen Kontinents. Ihr Fest wird am 29. April gefeiert.
Nach fast 70 Jahren päpstlicher Residenz in Avignon hat die hl. Katharina von Siena Papst Gregor XI dazu bewegt, den Sitz 1377 wieder nach Rom zu verlegen. Mittels ihrer Briefe und persönlichem Engagement hat sie eine Brücke geschlagen zwischen Avignon und Rom. Dadurch hat sie mitgeholfen, die damalige Kirchenspaltung zu überwinden.

In einer mystischen Erfahrung sprach Gottes Wahrheit zu Katharina von Siena: «Blicke auf jene, die über die Brücke des gekreuzigten Christus gehen. Und sie sah viele, die liefen ohne jegliche Mühe, denn sie waren frei vom Gewicht des Eigenwillens; und dies waren die wahren Kinder.»
Katharina bezeichnete Jesus Christus als Brücke zum wahren Leben: Der gekreuzigte und auferstandene Jesus dient jedem einzelnen von uns als Brücke, um einen gefährlichen Fluss zu überschreiten. Diese Brücke verbindet Himmel und Erde.

Unsere Kulturen benötigen Brückenbauer, die Nationalismus und Eigennutz überwinden. Sich bekriegende Völker und Nationen benötigen Brückenbauer – spätestens nachdem alle müde geworden sind vom sinnlosen Schlachten und sich nach einem Neuanfang sehnen. Schliesslich ist jede und jeder von uns angewiesen auf Mitmenschen, die ihnen einen Steg zu anderen bauen.  Wir selber können für andere zum Bindeglied werden. Und sind auf Jesus angewiesen, der zwischen Nationen und Kulturen Frieden stiftet. Jesus selbst gleicht einer Brücke, einer Leiter, der Himmel und Erde verbindet:

Hoffen auf Neuanfang

 

Aus dunklen Wolken

rieselt Regen

Tränen fächern auf

das Licht der Sonne

 

In leuchtenden Farben

erhebt sich ein Regenbogen

Die lichte Leiter

verbindet Himmel und Erde

 

Zerbrochener Traum

erwacht in der Knospe

Wir hoffen auf Frieden

den neuen Liebesbund

 

Vgl. Gen 28,10-22: Jakobs Traum von der Leiter

 

Quellen: Vgl. Louise Gnädinger (Hrsg.): Caterina von Siena. Olten - Freiburg 1980, S. 202 – 205

 

Katharina von Siena: Einflussreiche Mystikerin

Katharina von Siena im Heiligenlexikon

Katharina von Siena auf Wikipedia

 

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