Pfingsten 2020

Hansruedi Kleiber SJ von Hansruedi Kleiber SJ,

Bekanntlich geht es an Pfingsten um den Hl. Geist. Was ist damit gemeint? Der Begriff ist geheimnisvoll und wenig konkret. In unserer Alltagssprache reden wir da und dort vom Geist: Vom Zeitgeist z.B. und meinen damit das, was eine Epoche besonders auszeichnet. 

So wird immer wieder der „Geist des Konzils“ beschworen. Man will damit erinnern an das, was die Konzilsväter damals bewegt hat, an die befreiende Atmosphäre, an die Aufbruch-Stimmung, die zu jener Zeit in der Kirche herrschte. Der Papst hatte in seiner programmatischen Eröffnungsrede von einem „neuen Pfingsten“ gesprochen, vom Geist, dem sich die Kirche öffnen sollte. Damit hat Johannes XXIII. den Hl. Geist gemeint. 

In der Apostelgeschichte können wir erfahren, was es mit diesem Geist auf sich hat. Sie weist hin auf das Wirken des Heiligen Geistes an jenem ersten Pfingsttag: Aus dem verschreckten Häuflein armseliger Jünger, die ohne Orientierung, ohne Perspektive, ohne Hoffnung waren – nach dem Tod Jesu war das ja auch absolut verständlich – aus diesen ängstlichen und verzagten Männern sind urplötzlich hoffnungsvolle und mutige Apostel geworden, die mit ihrer Predigt die Menschen ins Herz trafen und voll Freude die Osterbotschaft in die Welt trugen. Das genau war das Wirken des Heiligen Geistes. Die Apostel wurden erfasst, erleuchtet, ermutigt als der Geist Gottes, der Heilige Geist, über sie kam. 

Paulus hat später dieses Ereignis analysiert. Und so ist er auf die Wirkungen des Heiligen Geistes gestossen. Und er hat sie beschrieben. Er hat aufgezeigt, was der Geist Gottes tut und dabei ist ihm allmählich klar geworden, wer er ist: Für Paulus ist der Heilige Geist niemand anders als Gott selber, und zwar Gott als Gabe, als Mitteilung, als Gemeinschaft bildende Kraft. Er schenkt sich uns selber. Er nimmt in uns Wohnung, er macht aus uns die Gemeinschaft jener, die glauben. Er erbaut uns als „Haus Gottes aus lebendigen Steinen“. Wir sind „Tempel des Heiligen Geistes“. Er macht, dass wir „Söhne und Töchter Gottes“ sind und dass wir zu Gott „Vater“ sagen. Und selbst, wenn wir nicht wissen, wie wir beten sollen, es ist der Geist selber, der in uns betet. Es geht also um unsere Beziehung zu Gott. Es geht um Gemeinschaft mit ihm und untereinander. 

Und dieser Geist Gottes ist zugleich auch der Geist Jesu Christi. Jesus hat ihn seinen Jüngern versprochen. Und an Pfingsten hat er dieses Versprechen eingelöst.  Wir können also sehen, dass die Kirche vom Geist gewirkt ist, dass die Gemeinschaft der Glaubenden vom Geist zusammengehalten wird. Allerdings gilt auch: „Der Geist weht wo er will“. Das bedeutet: Er wirkt nicht nur und ausschliesslich in der Kirche; er wirkt auch anderswo. Die Kirche hat den Hl. Geist nicht einfach für sich gepachtet. 

Es hat 2000 Jahre gedauert, bis wir das realisiert haben. Das war die befreiende Erkenntnis des letzten Konzils. Dahinter können und dürfen wir nicht mehr zurück! Unser Blick hat sich geweitet. Und wir erkennen die Wirkungen des Geistes Gottes überall dort, wo das Gute, Schöne und Wahre sich zeigt. Paulus spricht von den „Früchten“ des Geistes und zählt sie auf: „Liebe. Freude, Friede, Langmut, Güte, Rechtschaffenheit, Treue…“ und vieles mehr. Der Heilige Geist ist die schöpferische Kraft Gottes. Er ist es, der alles neu macht. Dass wir glauben, ist ein Werk des Heiligen Geistes. „Niemand kann sagen, Jesus ist der Herr, ausser im Heiligen Geist!“, bemerkt Paulus einmal. 

Die Früchte des Heiligen Geistes sind real und wir können sie immer wieder erfahren. „Gott hat euch nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben“, sagt Paulus, „sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“. In einer Zeit, in der es uns oft schwer fällt zu glauben, in einer Zeit, in der die Kirche ihre gesellschaftliche Position zu verlieren droht, in einer Zeit, wo ganz andere Geister zu herrschen scheinen, tut es gut, sich darauf zu besinnen, dass Pfingsten nicht einfach ein längst vergangenes Ereignis ist, sondern dass seit Pfingsten der Geist Gottes, der Geist Jesu Christi, der Heilige Geist  in der Welt wirkt bis auf den heutigen Tag; dass er bei uns ist und uns hilft, in dieser oft verwirrenden Welt die Geister zu unterscheiden. Es kommt also alles darauf an, dass wir uns diesem Geist nicht verschliessen, sondern uns ihm öffnen. „Löscht den Geist nicht aus!“ ermahnt uns Paulus. Seine Sorge ist berechtigt. Denn das wäre in der Tat schlimm. Dann würden wir uns letztlich Gott verschliessen. 

Das Pfingstfest, das wir jedes Jahr feiern, erinnert uns daran, dass immer Pfingsten ist, dass Pfingsten nie aufhört. Der Hl. Geist ist immer da und begleitet uns auf Schritt und Tritt. An uns ist es, ihm in unserem Leben Raum zu geben und ihn wirken zu lassen. 

Hansruedi Kleiber SJ

 

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