Beiträge von Christian Rutishauser SJ

Die Hagia Sophia als Symbol für ein Europa der Zukunft

Zwei überwältigende Raumerlebnisse ragen in meiner Biografie heraus: Einmal das Betreten der Kings Chapel in Cambridge. Ich trat durch die kleine Tür in den hohen, schlanken, rechteckigen Raum und mein Blick wurde nach oben gerissen. Da schwebte ein fein ziseliertes Steingewölbe. Das Fächergewölbe wie ein fliegender Teppich über mir. Lichtdurchflutet war der Raum, für mein Auge nur von den hohen, gotischen Glasfenstern getragen, denn äusserst schmal sind die Wandstücke zwischen Ihnen. Ein Gefühl der Erhebung zum Geistigen löste dieses Raumempfinden in mir aus. Dann das Betreten der Hagia Sophia durch den doppelten Narthex mit seinen Mosaiken hindurch in den Hauptraum: Mit einem Schlag diese Weite. Ich atmete auf, als würden mir meine beiden Lungenflügel vergrössert. Die Kuppel schwebte wie ein Sternenhimmel bergend. Ich hatte den Eindruck als würde ich im Kosmos stehen, weit, wohlgeordnet und vielfältig. Beide Räume sind für mich Architektur der Unendlichkeit. Beide Meisterwerke sind Raumgestaltungen, die das Göttliche nicht nur als das Ewigen der Zeit, sondern auch als Raum aller Räume erahnen lassen. Beide Sakralbauten als Kirchen geschaffen, lassen bis heute alle Besucher vor Erhabenheit erschaudern, unabhängig ihrer Religionszugehörigkeit und ihrer Weltanschauung.

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Ausstieg aus dem «Corona-Hausarrest»

Der «Hausarrest» der letzten Wochen – was bleibt? Wohltuende Entschleunigung, tatkräftige Solidarität, aber auch beklemmende Einsamkeit, anspruchsvolle Heimorganisation. Und vor allem die Erkenntnis: Der Mensch wird am Menschen, nicht nur an den Gedanken oder am Bild des Andern. Auch die Kirche muss dazulernen: Gottesdienst und Gebet darf nicht nur institutionell getragen sein. Es braucht auch Hausliturgie und verankerte, gemeinsame Gebetsformen ohne Kirchenpersonal.

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Enthemmung in Social Media

Schreiben ist ein Stück Selbsttherapie – in den Social Media niederschwellig zu haben. Schön und ungut: Zu lesen sind auch Rundumschläge und Beschimpfungen, Hassreden und Morddrohungen. Ich frage mich: Haben ungefilterte Äusserungen im digitalen Raum tatsächlich eine Art selbsttherapeutische Wirkung? Und wie ist mit Beschimpfung, mit Hassrede und dummem Geschwätz in den Social Media umzugehen?

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