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Was ist uns heilig? Gedanken von Christian M. Rutishauser SJ anlässlich einer Veranstaltung an der Paulus Akademie

von Pia Seiler

Kurzvortrag, gehalten an der Paulus Akademie Zürich am 12. November 2019

Wenn ich Menschen geistlich begleite, stelle ich ihnen immer auch die Frage: „Was ist Ihnen letztlich wichtig? Wofür wollen Sie leben? Was sind Ihre Werte“. Manchmal fällt es meinem Gegenüber schwer, auf diese Fragen zu antworten. Dann frage ich weiter: „Wofür sind Sie bereit, Geld auszugeben, und wofür setzen Sie Ihre Zeit ein?“ Da fällt die Antwort oft leichter. Wofür jemand Zeit und Geld einsetzt, das ist ihm wichtig, dafür lebt er! Ähnlich kann ich nun fragen: „Was ist uns heilig?“ Vielleicht fällt auch da die Antwort nicht leicht. Dann lassen Sie uns weiterfragen: „Was ist für uns unantastbar? Wovor empfinden wir Ehrfurcht? Was verteidigen wir um alles in der Welt?“ Mit diesen Fragen kommen wir dem näher, was uns heilig ist. Das Heilige ist das Unantastbare, das, was ewig bleibt und nicht verändert werden darf, was ich verehre, zu dem ich aufblicke, was mir letztlich Leben schenkt. 

Im Alltag können es Kleinigkeiten sein. Es gibt „kleine Heiligkeiten“. Sie lösen sich aber auch wieder auf und können im Lauf eines Lebens wechseln: Für die Einen ist es der Sport, für die Andern das Auto oder ein Rückzugsort. Etwas grösser und bedeutender werden die „Heiligkeiten“, wenn jemand davon spricht, dass ihm die Gesundheit oder eine Beziehung heilig ist. Nicht nur der Einzelne, auch eine Gesellschaft hat Dinge, die ihr „heilig“ sind: Für die Schweiz ist es das direkte Stimmrecht, sind es die liberalen Freiheiten. Das Bankgeheimnis und die Armee waren einst heilige Kühe. Heute ist es die Mobilität, das Online-Sein. Die Beispiele zeigen, dass es beim Heiligen um letzte Werte und letzte Grundlagen geht. Dabei steht die ganze Identität auf dem Spiel. Es geht um konstitutive Elemente, eigentlich um das, was das Leben für einen Menschen oder eine Gesellschaft erst ermöglicht. Daher darf es nicht in Frage gestellt werden. Das Heilige ist also das, was einer konkreten Biographie oder einer Gesellschaft vorausgeht. Was uns heilig ist, steht für das, woraus wir leben. Das Heilige ist so etwas wie Lebensquell und Lebensgrundlage. 

Das Heilige will geschützt und respektiert, verehrt und vielleicht sogar angebetet werden. Das Heilige darf daher nicht der menschlichen Gier, dem Kalkül oder dem zweckrationalen Nutzendenken unterworfen werden. Dadurch zerstört man das Heilige. Man profaniert es. Weil der moderne Mensch aber alles seinem Nutzen unterwirft, alles ausreizt und ausbeutet, und weil sein Machbarkeitswahn vor nichts Halt zu machen scheint, wird das Heilige zerstört. Das geschieht einerseits im Verdrängen der Religionen. Der Sonntag zum Beispiel ist kein heiliger Tag mehr. Auch die Bibel hat für viele die Autorität einer Heiligen Schrift verloren, weil sie nur noch als Literatur der Menschheitsgeschichte gesehen wird. Die Exegese der Theologen trägt selber dazu bei, wenn sie die Bibel in die Entstehungsgeschichte hinein auflöst. Das Heilige wird aber auch zerstört im leichtfertigen Beenden einer Ehe, im bewussten Beenden von Leben, bei der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen oder bei der Verschmutzung von Luft und Meer. Grenzenlosigkeit und Masslosigkeit sind Feinde des Heiligen. Das Heilige setzt dem Menschen eine Grenze. Ist Resakralisierung ein Heilmittel gegen das masslos verobjektivierende Denken des Menschen? Soll man die Ehe und die Natur, das Leben des Menschen etc. wieder für heilig erklären und dem menschlichen Zweckdenken entziehen? Wenn ja: Wer hat die Autorität dazu?

Auf jeden Fall gilt: Weder die Gesellschaft noch der einzelne Mensch sind grenzenlos. Leben gibt es nur in An- und Abgrenzungen. Letztlich ist das Leben Geschenk, es ist vorgegeben. Auch viele Begegnungen, Glück, Erfahrungen, Wohlstand, Gesundheit etc. fallen dem Menschen zu. Auch wenn vieles dem Menschen entzogen bleibt, das Heilige gehört immer zum Leben. Der Mensch lebt von Voraussetzungen, die das Leben erst ermöglichen: Diese Voraussetzungen sind für ihn unantastbar als Lebensgrundlage, als letzte Wertquelle, er erklärt sie für heilig. Die Unterscheidung von heilig und nicht-heilig, von heilig und profan also, gehört zu jeder Kultur. Auch eine säkulare Kultur wie die Kultur der Moderne, die das Heilige per definitionemdurch Wissenschaft und Technik zu überwinden sucht, spricht Dinge heilig. Grenzziehungen zwischen heilig und profan sind einfach sehr verschieden. Lassen Sie mich nur ein Beispiel anführen, das gerade in die säkulare Gesellschaft hineingreift: In der katholischen Christenheit waren Reliquien heilig. Hohe Geldsummen wurden für sie ausgegeben. Mit ihnen waren Ansehen und Machtlegitimation verbunden. In der säkularisierten Gesellschaft läuft der Kunstmarkt nicht anders: Für gewisse Gemälde werden horrende Summen bezahlt, die in keinem Verhältnis zur Produktion stehen. Doch der Besitz verleiht eine Aura, Ansehen, Macht. Die Gemälde werden nur mit Samthandschuhen angefasst, und die Betrachter verstummen vor ihnen, wie die Gläubigen einst vor Altären mit Reliquien. Vor allem aber ist das Kapital in unserer Gesellschaft heilig. Die Aufsichtsräte mit ihren unzähligen Bank-, Börsen- und Unternehmerpersonen sind das hierarchisch gestufte Priestertum. Entsprechend zeremoniell und ehrfürchtig geht es in den heiligen Hallen der Banken und Chefetagen zu. Nicht nur Ausstrahlung und Ansehen, nicht nur Macht, sondern auch Opfer gehören zum Heiligen. Gott und Göttern, dem Heiligen, opfert man. Dies gehört auch zum Kapitalismus: Die Natur schreit zum Himmel. Kurz und gut: Auch in der profanen und säkularen Gesellschaft gibt es das Heilige. Es produziert sich neben dem Profanen immer wieder neu. 

Wie Opfer zur Religion gehören, so ist das Heilige immer mit Machtkonstellationen verbunden. Das Heilige ist ohne Macht nicht zu denken, und die Macht kommt ohne das Heilige nicht aus. Das zeigt sich ja nicht erst an der Wirtschaft, sondern hat sich seit jeher gerade auch an der Politik gezeigt: Der Adel und die Könige haben sich früher göttlich legitimiert. Bis heute wird der Papst „heiliger Vater“ genannt. Und selbst in einer Demokratie, wo die Regenten ihre Macht vom Volk verliehen bekommen haben, bildet sich um die Präsidenten und die Bundesräte eine „heilige Aura“ aus. Dass Macht das Heilige immer braucht, zeigen die Mausoleen und der Kult um kommunistisch-atheistische Politiker wie auch die Zeremonien, mit denen sich Diktatoren in Szene setzen. Macht braucht Liturgie, Zeremonie, um sich abzuheben und explizit oder implizit zu heiligen.

Über Heiliges und Macht ist in den letzten Jahrzehnten viel geforscht und nachgedacht worden. Zu Beginn der 20. Jahrhunderts ist Rudolf Otto mit seiner Definition des Heiligen als tremendum et fascinosum zu nennen: Das Heilige ist das Erhabene. Darauf reagiert der Mensch mit Furcht und Faszination zugleich. Er möchte an Macht und Aura teilhaben. Im 18./19. Jahrhundert hat der Mensch vor den Naturgewalten gezittert und war fasziniert zugleich. Die Alpen konnten einst ein tremendum et fascinosumauslösen. Heute sind sie zur Spielwiese vor dem Haus geworden. Die Erfahrung des Erhabenen wird heute im Naturtrecking gesucht, dazu fahren wir in die Wüste Gobi, ans Nordkap oder in die Antarktis. „Was ist uns heilig?“, bedeutet also zu fragen: Vor welcher Macht erschauern wir und sind zugleich fasziniert? Ich möchte dabei noch gesellschaftsrelevanter und politischer antworten: die Trumps, Putins, Erdogans, Orbans und wie sie alle heissen, haben durch die Kombination von Macht und Heiligem Erfolg. Sie werden in Gesellschaften gewählt, wo Menschen der Faszination dieses „archaisch Heiligen“ erliegen, wie ich es nennen möchte. Um es noch etwas schärfer zu sagen: Es geht um die Faszination des Faschistischen, die Faszination angesichts der Macht des Stärkeren. Der Starke kann sich durchsetzen. Er kann über Leben und Tod entscheiden. Sein Erfolg gibt ihm göttliche Legitimation. Das Heilige sanktioniert dabei nicht nur Macht, sondern eben auch oft Gewalt, und diese wiederum produziert Opfer. Weil aber Macht und Gewalt Ordnung und Lebensraum schaffen, werden sie als heilig und göttlich erfahren. Dass diese Ordnung fast immer auf Kosten von Minderheiten, Dissidenten oder sogar Sündenböcken geht, wird dabei ausgeblendet. Das archaisch Heilige fordert nämlich immer auch Opfer. Zur Religion gehören Opfer und das Heilige untrennbar dazu. Auch eine säkulare, technokratische und utilitaristische Gesellschaft neigt dazu, diese Seite des Heiligen zu reproduzieren. Der atheistischen Moderne ist Macht heilig. Sie ist vom Willen zur Macht geradezu bestimmt, was Schopenhauer, Nietzsche u.a. philosophisch legitimieren. Wegen des Hangs zur Macht verbindet sich die säkulare Gesellschaft auch wieder leicht mit institutionalisierter Religion und mit dem Heiligen. USA, Russland oder verschiedene Staaten in Osteuropa sind heute Anschauungsbeispiele dafür.

Religionen haben es nicht nur mit dem Heiligen zu tun. Sie stellen verschiedene Systeme dar, Mächte und Gewalten zu organisieren und zu kanalisieren: Der Monotheismus schafft einen allmächtigen Gott mit weniger mächtigen Engeln und Geistern. Das Heidentum hat einen Machtkampf unter Göttern beschrieben, der letztlich irdische Machtverhältnisse widerspiegelt. Monotheismus als zentrale, Heidentum als mehr föderalistische Machtorganisation also! Magie ist in diesem Sinne eine individuelle Ermächtigungsstrategie. Diese Art von Religionsverständnis ist bis heute aktuell. Viele säkulare Menschen nehmen Religion denn auch nur in Form von Mächten wahr, sei es über Strahlung von Steinen, über Kraftplätze, die sie aufsuchen, oder über Energieflüsse, für die sie sich öffnen wollen. Am liebsten würde man an Wunder glauben, durch die ein Gott in seiner Allmacht die Naturgesetze ausser Kraft setzt. Die Ratio verbietet es, doch die Versuchung zum archaisch Heiligen ist gerade im 21. Jahrhundert neu aufgebrochen. Der Schock der Verbindung von Heiligem und Macht, von Opfer und Gewalt, die sich im Faschismus im Zweiten Weltkrieg entladen hat, wirkt in uns offenbar nicht mehr nach. So schleicht sich das Brachiale des Heiligen langsam in die Gegenwart zurück.

René Girard hat sich in seiner mimetischen Theorie ausführlich mit der Gewalttätigkeit des Heiligen und damit der Religion auseinandergesetzt. Sein „La violence et le sacré“ ist heute schon ein Klassiker. Weiter darauf einzugehen ist hier nicht der Raum. Mir geht es nur darum, die Ambivalenz des Heiligen bewusst zu machen. Wenn gejammert wird: „Heute ist uns nichts mehr heilig!“, wird unterstellt, dass es grundsätzlich besser wäre, wir hätten wieder mehr Heiliges in unserer Gesellschaft. Säkulare wie Gläubige, welche die Gesellschaft mit ihrer Ordnung und mit ihren Werten in einen chaotischen Relativismus abgleiten sehen, rufen zum Teil nach der Sakralisierung. Die Welt müsse wieder verzaubert werden, um dem Machbarkeitswahn und der zweckrationalen Vernunft eine Grenze zu setzen. Als gläubiger Christ bin ich skeptisch. Ich will das Heilige stärken, doch nicht unbedingt das archaisch Heilige. Die entscheidende Frage ist heute: Welcher Form von Heiligkeit öffnen wir uns? Was verstehen wir unter heilig?

Die biblischen Schriften kennen die Erfahrung des archaisch Heiligen: Dagon, der Gott der Philister, fällt zum Beispiel vor der Gegenwart JHWH in sich zusammen. (1 Sam 5,2f) Gott kommt auch mit Gewalt als Krieger und im Gewitter daher, wie es in verschiedenen Psalmen besungen wird. (z. B. Ps 18) Doch zugleich wird der Begriff des Heiligen so stark umgeformt, dass die beiden religiösen Traditionen, die aus der Bibel hervorgehen, das rabbinische Judentum und das Christentum, manchmal überhaupt nicht mehr als Religionen bezeichnet werden. Christentum und Judentum werden im Mittelalter denn auch einfach lexgenannt oder sectaoder fides, Gesetz also, Partei oder Glaube. Erst in der Moderne nennt man das Christentum und das Judentum Religionen. Doch wie auch immer: Beide Traditionen formen das Heilige um. Diese Umformung hat, ganz grob gesprochen, zwei Aspekte: 

  1. Der Gott der Bibel allein ist heilig. Alles andere ist profan. Es gibt den Schöpfer Gott, der heilig ist. Und es gibt die Schöpfung, die profan ist. Nichts dazwischen. Von diesem Gott kann kein Bild gemacht werden. Er hat Himmel und Erde, also das All gemacht. Er ist der wahre, lebendige Gott, der letztlich allem Leben schenkt, sonst ist da keiner. Alles was Menschen für heilig erklären, sind Götzen, weil es Elemente der Schöpfung sind, wandelbar, antastbar, veränderlich. Vor diesem Gott entstehen erst Götzen. Sogar ein Standbild, das Gott in dieser Welt darstellen soll, ist ein Götze. Die Geschichte vom goldenen Kalb erzählt es. Die Oper „Moses und Aron“ von Arnold Schönberg habe ich zweimal live gesehen, einmal in der Staatsoper Wien. Da war der Tanz um das goldene Kalb ein Tanz um eine riesige Videoinstallation, die schnelle Autos, schöne Frauen, Schmuck, Facelifting, Markenkleider gezeigt hat – und auf dem Höhepunkt des Tanzes dann den Wiener Opernball. Uns Zuschauern im Opernhaus ist gleichsam der Spiegel vorgehalten worden: Götze ist die Staatsoper Wien. Was den Menschen heilig ist wird angesichts des Gottes von Mose und Aron zum Götzen. In der Inszenierung von „Moses und Aron“ im Zürcher Opernhaus war das goldene Kalb übrigens ein riesengrosser Lindt-Schokoladen-Osterhase, jener mit dem Goldpapier, den Sie alle kennen. Kurz: Die Vorstellung von Heiligkeit in der Bibel entlarvt all das, was Menschen heilig ist als Götzen. Einzig Gott darf angebetet werden.
  2. Die Heiligkeit liegt also allein bei Gott, der Gerechtigkeit, Freiheit, Liebe will. Dieser Gott wird nicht durch Statuen oder andere Gegenstände in der Welt repräsentiert, sondern vom Zehnwort. Im Tempel in Jerusalem steht im Allerheiligsten nämlich die Bundeslade, also der Kodex ethischen Verhaltens: Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen! Halte den Sabbat heilig! Du sollt nicht stehlen, nicht töten, nicht lügen, nicht begehren, was dir nicht zusteht! Heiligkeit ist hier losgelöst von Gewalt und Selbstbehauptung. Heilig ist ein Handeln, das sich an Gott orientiert. Nur ethisches Handeln kann Gott in der profanen Welt repräsentieren. Ethisch leben und handeln wie Gott heisst, die Welt heiligen. Folglich werden die Gebote im Heiligkeitsgesetz in Levitikus kommentiert: „Seid heilig, weil ich heilig bin.“ Nur der ethisch und somit gerecht lebende und liebende Mensch verkörpert Gott, den Heiligen. Der einzige vollkommen gerechte Mensch ist für Christen Jesus, der Jude von Nazareth. Er ist daher auch der Heilige. Wenn Menschen wie Gott handeln und wie Christus leben, können sie als Heilige bezeichnet werden. Paulus nennt seine Mitchristen schlicht „Heilige“. Heiligkeit ist hier Teilhabe am Handeln Gottes und am Wirken Christi in der säkularen Welt. Dies Handeln betrifft einerseits den Alltag, vor allem aber auch den Gottesdienst: In der Liturgie, wo Christus und Gott gegenwärtig erlebt werden, entsteht denn auch ein heiliger Raum, ein Raum, der von Gottes Heilshandeln geschaffen ist. Der Mensch ist eingeladen, in dieses Heilshandeln einzutreten. Diese Vorstellung von Heiligkeit lenkt den Begriff vom „archaisch Heiligen“ weg und lässt etwas Neues heilig erscheinen: das Leben aus Liebe, Freiheit und Gerechtigkeit. Damit wird der Mensch in seiner Würde als freies Wesen geheiligt.

Was ist uns heilig? Dies war unsere Ausgangsfrage. Verschiedene Objekte und Zustände haben wir abgeschritten, die Menschen für heilig erklären. Zudem haben wir festgestellt, dass das Konzept der Heiligkeit sehr ambivalent sein kein. Das Heilige schützt nicht nur Leben und begrenzt Macht. Es kann auch mit Gewalt und Ungerechtigkeit Opfer fordern. Die jüdische und christliche Tradition haben das Heilige radikal an Gottes Heilshandeln gebunden. Heilig ist, was Heil bewirkt. Juden und Christen richten sich danach aus, auch wenn sie wie alle Menschen fasziniert und zugleich schaudernd das „archaisch Heilige“ betrachten. 


Der Schrei der Armen und der Erde: 50. Jahrestag des Sekretariats für soziale Gerechtigkeit und Ökologie

von Pia Seiler

Die Gesellschaft Jesu feiert dieser Tage den 50. Jahrestag ihres Sekretariats für soziale Gerechtigkeit und Ökologie (SJES). «Der Schrei der Armen und der Erde – es ist Zeit zu antworten»: Unter dieser Überschrift trafen sich vom 4.-8. November in Rom 210 Jesuiten, Experten und Aktivisten aus allen Kontinenten. Sie eint der Einsatz für das, was Papst Franziskus die «Peripherien der Welt» nennt.  

Pedro Arrupe SJ, der damalige Generalobere der Jesuiten, hat das Social Justice and Ecology Secretariat (SJES) 1969 ins Leben gerufen – im Jahrzehnt und im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils. Heute sind die Herausforderungen noch komplexer als im Gründungsjahr. Umweltzerstörung, Vertreibung, Ausbeutung schreiten voran – die Menschheit befindet sich in einer Wendezeit. So verfolgte das SJES-Treffen drei Ziele: die Treue Gottes auf diesem Weg zu feiern; den Fahrplan für die Umsetzung der Allgemeinen Apostolischen Präferenzen, Leitlinien der Jesuiten für die nächste Dekade; Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und Vernetzung mit anderen Akteuren zu schaffen. 

Das Spektrum reichte vom Kampf gegen die Umweltzerstörung in Honduras hin zur Rehabilitierung junger Gang-Mitglieder in den Vereinigten Staaten. Vom Einsatz für Dalits und vertriebene Angehörige indigener Stämme hin zu Bildungsangeboten für Jugendliche in Afrika. Von der Arbeit mit Migranten und Flüchtlingen in Europa hin zum Engagement gegen den Klimawandel.

Die Eröffnungs-Sitzung am Montag, 4. November war geprägt durch die Teilnahme von Pater General Arturo Sosa SJ, Kurienkardinal Peter Turkson, den Kardinälen Michael Czerny SJ und Pedro Barreto  SJ sowie Pater Xavier Jeyaraj SJ, Sekretär für soziale Gerechtigkeit und Ökologie. Zum Auftakt forderte Arturo Sosa SJ alle Teilnehmer auf, «diesen ganz besonderen Moment zu nutzen, in dem Gott uns einlädt, uns zu erinnern, zu danken, zu unterscheiden und mutige und gewagte Entscheidungen zu treffen, um Jesus und sein Volk zusammen mit den Ausgeschlossenen, Armen und Schwächsten zu begleiten».

Inputs an Tagung gaben Ismael Moreno SJ, der mit der lokalen Bevölkerung in Honduras gegen die Ausbeutung durch multinationale Unternehmen kämpft. Gregory Boyle SJ, Direktor von Homeboy Industries, einer Organisation für ehemalige Gang-Mitglieder in Los Angeles. Die indische Ökologin und Aktivistin Sunita Narain. Kardinal Michael Czerny SJ, vatikanischer Untersekretär für Flüchtlinge und Migranten. Der US-Ökonom Prof. Jeffrey Sachs, Direktor des Earth Institute. Und der junge südafrikanische Aktivist Noluthando Honono.

Hier finden Sie die Rede von Pater General Arturo Sosa SJ zum 50. Jahrestag des Sekretariats für soziale Gerechtigkeit und Ökologie

 


Einminuten-Botschaft der jungen Jesuiten gewinnt den Bonifatius-Preis

von Pia Seiler

Mit den One Minute Homilies kurz OMH übersetzen junge Jesuiten an Sonn- und kirchlichen Feiertagen die biblische Botschaft mit kurzen Videos in die alltägliche Lebenswelt der Menschen. Das gab für die prominent besetzte Jury rund um den Mainzer Bischof Peter Kohlgraf den Ausschlag, warum sich das Videoformat unter den 220 Einsendungen durchsetzen konnte. Mit den Impulsen finde die Botschaft Jesu wieder einen Platz in der Sprache der Menschen, «auch der Menschen, die sich ausserhalb der kirchlichen Räume bewegen, aber dennoch auf der Suche nach spirituellen Anregungen sind», so Bischof Kohlgraf. «Die Initiatoren verlassen mutig die gewohnte kirchliche Umgebung und zeigen, wie das Evangelium in einer pluralistischen und ausdifferenzierten Gesellschaft zeitgemäss verkündet werden kann.»

Der Bonifatius-Preis ist mit 3 000 Euro dotiert und würdigt den Einsatz von Menschen, die in ihren katholischen Pfarrgemeinden, in Institutionen und Verbänden oder als Einzelpersonen den Glauben in engagierter, aussergewöhnlicher Weise weitergeben. Zur Jury gehörten unter anderem Bundesministerin Julia Klöckner, Journalistin und Moderatorin Gundula Gause, die Mauritzer Franziskanerin Sr. Maria Magdalena Jardin und der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen.

Scholastiker Dag Heinrichowski SJ hat das Projekt von Amerika in die deutschsprachigen Provinzen Deutschland, Österreich und Schweiz geholt. Zusammen mit Jonas Linz SJ (unten im Video-Bild) und Pia Dyckmans, Verantwortliche Öffentlichkeitsarbeit der deutschen Jesuiten-Provinz, hat er den Preis entgegengenommen.  «Es war eine ganz schöne Überraschung, als ich einen Anruf aus Paderborn erhielt, sagte Dag Heinrichowski SJ an der Verleihung. «Der Preis ist eine grossartige Wertschätzung und Anerkennung für unser Projekt. Gleichzeitig spornt er uns an, dass wir noch mehr versuchen müssen, die katholische Filterblase zu verlassen.»

Hier finden Sie die Einminuten-Botschaften der jungen Jesuiten

aktuelles OMH vom 8.11.2019: Ist Jesus nur ein toller Typ?


Choisir – die Wahl, über den Tag hinaus zu denken: Die Westschweizer Zeitschrift feiert ihr 60-Jahr-Jubiläum

von Pia Seiler

Im November 1959 erschien die Westschweizer Zeitschrift Choisir zum ersten Mal – und hat all die Presseverwerfungen der letzten Jahrzehnte überlebt: Die profilierte Revue culturelle jésuite d’information et de réflexion feiert ihren 60. Geburtstag.

Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich, vertieft religiöse, kulturelle, gesellschaftliche Themen und richtet sich an wache Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, die über den Tag hinaus denken wollen. Prägten während vieler Jahre die drei Jesuiten und Gründer Raymond Bréchet, Jean Nicod und Robert Stalder die Zeitschrift, besteht das Redaktionsteam heute aus Pierre Emonet SJ, Lucienne Bittar und Céline Fossati. Herzliche Gratulation nach Genf in der Hoffnung auf viele weitere Jahre der klugen Berichterstattung und Meinungsäusserung.  

Hier gelangen Sie zu einem Hintergrundbericht über die Zeitschrift Choisir

   


«Sodom – Macht, Homosexualität und Doppelmoral im Vatikan»: Reaktion von Franz-Xaver Hiestand SJ

von Pia Seiler

Frédéric Martel setzt sich in Frankreich seit Jahren für die Rechte Homosexueller ein und hat die Regierung beraten bei der Einführung der eingetragenen Partnerschaften. Nun legt der 52-jährige französische Soziologe mit «Sodom – Macht, Homosexualität und Doppelmoral im Vatikan» ein Buch vor, dass zu reden gibt. Es ist über 600 Seiten lang und basiert auf angeblich über tausend Informanten, darunter Kardinäle und Bischöfe, ohne sie beim Namen zu nennen. Es gehe ihm nicht um den Skandal, sagt Martel in einem Interview im französischen Fernsehen.  «Es ist nicht meine Absicht, diese Männer zu kritisieren oder sie zu Lebzeiten zu outen. Doch ist es notwendig, ein System zu entlarven.»

Der Zürcher Jesuit und Hochschulseelsorger Franz-Xaver Hiestand befürwortet die Publikation. Der Autor versuche, eine kirchliche Realität analytisch zu fassen, die latentes Dauerthema sei und Quelle unzähliger Intrigen. «Insofern ist es ein notwendiges Buch. Doch ich sehe auch Schwächen», so Hiestand im Beitrag von Georges Scherrer auf kath.ch. Dem Werk mangle es stellenweise an der nötigen Sorgfalt. Oft sei unklar, was Zitat sei und was Martels eigene Meinung und wie er zu seinen reisserischen Thesen komme. Schade findet Hiestand zudem, dass der Autor nicht tiefer sondiert hat in der Frage, warum es in der katholischen Kirche überdurchschnittlich viele homosexuell veranlagte oder homophil empfindende Männer gibt. Der Psychologe Carl Gustav Jung habe schon vor Jahrzehnten Erhellendes zu dieser Frage beigetragen.

Hier gelangen Sie zur Reaktion von Franz-Xaver Hiestand SJ zum Buch «Sodom» 


Stephan Rothlin SJ über die aktuelle Lage in Hongkong: «Der Riss geht oft durch Familien.»

von Pia Seiler

«In Hongkong prallen gerade zwei verschiedene Systeme aufeinander», sagt der Schweizer Jesuit Stephan Rothlin im Interview mit Raphael Rauch auf kath.ch. «Kaum eine Seite ist bereit, Zugeständnisse zu machen. Der Riss geht oft durch Familien.»

Stephan Rothlin SJ lehrt seit 1998 in China Wirtschaftsethik, ist oft auch in Hongkong für Kurse zu Kontemplation und Leadership und berichtet von einer Predigt, die er dort Anfang Oktober in einem Sonntags-Gottesdienst gehalten hat. «Ich habe die Unruhen thematisiert. Die Frage war: Wo setzen wir Werte? Sind wir vom CCCC-Singapur-Traum gesteuert – also Cash, Car, Credit Card, Condominium (Wohneigentum) – oder von den Werten des Glaubens? Ich habe die Hoffnung ausgedrückt, dass der Glaube helfen kann zu versöhnen.»

Hier gelangen Sie zum Interview mit Stephan Rothlin SJ über Hongkong


Schweiz-Besuch von Arturo Sosa SJ, dem Generaloberen der Jesuiten: Kurzfilm und Medienberichte

von Regula Lutz

Vier Tage, fünf Destinationen – und unzählige Begegnungen in den Werken der Schweizer Jesuiten: Pater General Arturo Sosa SJ hat auf seinem ersten Schweiz-Besuch vom 19. bis 22. September 2019 Herz und Geist vieler erreicht. Filmisch hat Benedikt Arndgen die Tage in einem Kurzvideo festgehalten, siehe oben. Mitte November 2019 folgt ein längerer Rückblick des jungen Filmemachers. Unten finden Sie zudem die Links zu Radio- und Presseberichten.

Die Schweiz-Visite von Pater General können Sie auch hier nochmals nachverfolgen. Sie begann am 19. September 2019 in Carouge bei Genf, wo sich Arturo Sosa SJ mit Vertretern von humanitären Organisationen traf – darunter Frauen und Männer des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR und der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Studierende und Lehrkräfte vom Flüchtlingsdienst der Jesuiten JRS und von Jesuit Worldwide Learning JWL berichteten in berührenden Videobotschaften aus Afghanistan bis Malawi über ihre Herausforderungen, Hoffnungen und Träume.
In Zürich trat der Jesuitengeneral an die Öffentlichkeit. Gut 300 Leute strömten am Freitagabend an die Universität zum Podiumsgespräch. Arturo Sosa diskutierte während zwei intensiven, spannenden Stunden mit fünf Persönlichkeiten der Schweizer Kirchen und Medien zum Thema «Christsein heute – Kirche wohin?»
Der Samstagmorgen war für Jesuiten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reserviert. Eine kleine Jesuiten-Delegation begleitete Arturo Sosa anschliessend in den Flüeli Ranft. Der aus Venezuela stammende Generalobere weiss um die Zerbrechlichkeit der menschlichen Suche nach Versöhnung. Er nützte die Wallfahrt zu Bruder Klaus in besonderem Masse, seine Anliegen in der Stille des Ranftes in Gottes Hände zu legen. Den Samstagabend verbrachte Arturo Sosa im Lassalle-Haus Bad Schönbrunn ob Zug, ein Haus der Stille – und gleichzeitig das grösste katholische Bildungszentrum des Landes.
Schlusspunkt am Sonntag war der festliche Gottesdienst in der vollbesetzten Jesuitenkirche Luzern

Medienberichte über den Schweizbesuch von Pater General Arturo Sosa:

«Maduro ist ein falscher Sozialist»: Interview von Michael Meier im Tages-Anzeiger
2019-09-25_Interview Arturo Sosa_Tagesanzeiger.pdf (483,0 KiB)
«Wir müssen endlich den Klerikalismus überwindent»: Bericht von Christa Amstutz in der Wochenzeitung Reformiert
190927_ArturoSosa_reformiertZH.pdf (249,3 KiB)

Arturo Sosa SJ, General der Jesuiten, im Interview im Tages-Anzeiger

von Pia Seiler

Der Jesuitengeneral und Politologe Arturo Sosa SJ äussert sich im Interview mit dem Tages-Anzeiger vom 24.9.2019 über die schwierige Lage in seiner Heimat Venezuela, die Amazonas-Synode, das Engagement der Jesuiten hier und jetzt. Wie Papst Franziskus versteht er sich als Anwalt der Armen, als Anwalt auch der Erde. So sagt er über die Amazonas-Synode, die am 6. Oktober 2019 in Rom beginnt: «Das Hauptthema der Synode ist die Ökologie, der Schutz des Regenwalds. Franziskus hatte 2015 seine Umwelt-Enzyklika Laudato si vorgelegt. Seither ist nichts passiert, es ist im Gegenteil schlimmer geworden.»

Hier gelangen Sie zum Interview von Michael Meier:

 

Arturo Sosa SJ besuchte vom 19. bis 22. September 2019 erstmals die Schweiz. Über die Stationen seiner Reise berichten wir hier. 


Sternstunden mit Pater General in der Schweiz

von Pia Seiler

Vier Tage, vier Destinationen, ein stiller Abstecher in den Flüeli Ranft – und unzählige Begegnungen in den Werken der Schweizer Jesuiten: Pater General Arturo Sosa SJ hat auf seiner ersten Schweiz-Visite vom Donnerstag 19. bis Sonntag 22. September 2019 Herz und Geist vieler erreicht.

In Carouge bei Genf traf sich Arturo Sosa SJ am Donnerstag im Haus der Jesuitenkommunität mit Vertretern von humanitären Organisationen – darunter Frauen und Männer etwa des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR und der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Berührend die Video-Grüsse am Ende des Abends: Studierende und Lehrkräfte vom Flüchtlingsdienst der Jesuiten JRS und von Jesuit Worldwide Learning JWL berichteten aus Afghanistan bis Malawi über ihre Herausforderungen, Hoffnungen und Träume. Ihre Geschichten wie auch die Worte von Arturo Sosa hallten lange nach: «Oftmals gehen Jesuiten davon aus, man müsse junge Menschen zu allem anleiten und ihnen den Weg zu Gott zeigen. Kennen wir diesen Weg denn selber genug? Vielleicht geht es nicht darum, den Jugendlichen zu helfen, sondern vielmehr, dass uns junge Menschen helfen können.»

Am Freitag in Zürich trat der Jesuitengeneral an die Öffentlichkeit. Gut 300 Leute strömten an die Universität zum Podiumsgespräch. Arturo Sosa diskutierte während zwei intensiven, spannenden Stunden mit fünf Persönlichkeiten der Schweizer Kirchen und Medien zum Thema «Christsein heute – Kirche wohin?». 
Der Samstagmorgen war für die Gemeinschaft der Jesuiten und Mitarbeitenden reserviert. 30 der 48 Jesuiten des Landes kamen in Zürich zusammen, darunter auch die fünf Schweizer Scholastiker; vier studieren zurzeit in Paris, einer absolviert bis September 2020 sein Magisterium bei JWL. Danach stiessen 30 Mitarbeitende der Deutschschweizer Werke dazu – eine Sternstunde, Pater General so nahbar und aufbauend zu erleben.  

Eine kleine Jesuiten-Delegation begleitete Arturo Sosa anschliessend in den Flüeli Ranft. Der aus Venezuela stammende Generalobere weiss um die Zerbrechlichkeit der menschlichen Suche nach Versöhnung. Er nützte diese kleine Wallfahrt zu Bruder Klaus in besonderem Masse, seine Anliegen in der Stille des Ranftes in Gottes Hände zu legen.
Den Samstagabend verbrachte Arturo Sosa im Lassalle-Haus ob Zug, ein Haus der Stille – und nicht nur grösstes Werk der Jesuiten der Schweiz, sondern auch grösstes christliches Bildungszentrum des Landes.

Als Schlusspunkt am Sonntag dann der festliche Gottesdienst in der vollbesetzten Jesuitenkirche Luzern. Die grosse Gottesdienst-Gemeinschaft traf sich danach zum Aperitif. Mittendrin Pater General, Chef von weltweit gut 15 000 Jesuiten – unkompliziert, herzlich, echt. Auf Wiedersehen, Pater General!


So 22.9.2019 Luzern: Festgottesdienst in der Jesuitenkirche

von Administrator

Festlicher und herzlicher Schlusspunkt von Arturo Sosas Schweizvisite

Arturo Sosa SJ beendete seinen viertägigen Schweizbesuch am Sonntagmorgen mit einem festlichen Gottesdienst in der vollbesetzten Jesuitenkirche Luzern. Zeit für Stille und Einkehr, Zeit auch für einen vielstimmigen Lobpreis: Das Collegium Musicum führte die Missa Palatina  von Martin Schmid SJ (1694-1772) auf – der gebürtige Baarer hatte in den einstigen Jesuitenmissionen Südamerikas gelebt, gewirkt und komponiert. Danach gab es für die grosse Gottesdienst-Gemeinschaft in der Kornschütte einen Aperitif – mittendrin «Pater General», Chef von weltweit gut 15 000 Jesuiten, menschennah, herzlich, echt.

«Lobet den Herrn», erschallte es laut in der voll besetzten Jesuitenkirche zu Luzern: Als Höhepunkt der Generalsvisite hatten die Schweizer Jesuiten zum Festgottesdienst ins Juwel der Schweizer Provinz am Reuss-Ufer eingeladen. Zur feierlichen Untermalung wurden unter der Leitung des Dirigenten Pascal Mayer die Solisten, das Vokalensemble und die Instrumentalisten des Collegium Musicum Luzern aufgeboten. Zu den erhebenden Klängen von Johann Sebastian Bach zogen die Zelebranten ein: Pater General Arturo Sosa SJ und sein Assistent Tomasz Kot SJ, Provinzial Christian Rutishauser SJ und sein Socius Josef Bruhin SJ, der Rektor der Jesuitenkirche Pater Hansruedi Kleiber SJ sowie als Diakon der Scholastiker Martin Föhn SJ. 

Der Gottesdienst wurde mehrsprachig gefeiert: Die Lesung, der Psalm und das Evangelium auf Deutsch, die meisten Gebete und die Predigt auf Englisch. Ein Festgottesdienst – auch musikalisch: Das Collegium Musicum führte die Missa Palatina des Schweizer Komponisten und Jesuiten Martin Schmid SJ (1694-1772) auf, dessen Geburtstag sich in wenigen Tagen, am 26. September, zum 325. Mal jährt. 

Schmid hatte viele Jahre in den ehemaligen Jesuitenmissionen Südamerikas (sogenannte «Reduktionen», Schutzzonen für Indios vor den Übergriffen spanischer und portugiesischer Sklavenjäger) gelebt und gewirkt und komponierte in den Wäldern des Amazonas Barockmusik: nicht bloss aus Liebe zur Schönheit, vielmehr als Instrument der Glaubensverkündigung an die Eingeborenen. Einige nennen diesen einzigartigen Musikstil, den Schmid zusammen mit seinem italienischen Mitbruder Domenico Zipoli SJ (1688-1726) entwickelt hat, «Dschungelbarock». Die rund 500 Gottesdienst-Feiernden – die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt – erlebten sinnlich und liturgisch mit der Missa Palatinaund der Motette Si bona suscepimus bedeutende Elemente der Jesuitengeschichte.

Die Lesung aus dem Buch Amos liess aufhorchen: Die prophetischen Warnungen gegen die Mächtigen und Reichen in der Welt gingen zu Herzen. Der anschliessende Psalm war Kontrapunkt, er handelte von der Gerechtigkeit Gottes. Das Sonntagsevangelium «Vom ungerechten Verwalter» folgte diesen hochaktuellen Themen. Pater General setzte dieses Gleichnis mit dem Evangelium des letzten Sonntags in Beziehung, wo das Gleichnis vom verlorenen Sohn und dem barmherzigen Vater im Zentrum gestanden war. Dabei betonte Arturo Sosa den Dreiklang von Gottesbeziehung, Gerechtigkeit und gelebtem Glauben (Predigt am Ende des Beitrags). 

Im Anschluss an den Festgottesdienst waren alle Besucherinnen und Besucher zum Aperitif in der Kornschütte am gegenüberliegenden Reuss-Ufer eingeladen. In der Halle des stattlichen mittelalterlichen Rathauses, wo bis heute das Luzerner Stadtparlament tagt, gab es Gelegenheit zu Gesprächen und zum Knüpfen von neuen Beziehungen. Wie ein Echo war immer wieder zu hören: «Ich freue mich – jetzt lerne ich Sie endlich persönlich kennen.» Mittendrin: Pater General mit seiner freundlichen, ja freundschaftlichen Menschennähe. Jesuiten, Gottesdienstbesucherinnen und –besucher, Gäste: Hier gab es keinerlei Berührungsängste. In familiär anmutender Atmosphäre wurde angestossen, gescherzt und den Moment in einem «Selfie» festgehalten. Eine lebendige Ordensgemeinschaft mitten unter und mit den Menschen – ad maiorem Dei gloriam!
Pascal Meyer SJ


Sa, 21.9.2019: Pater General im Flüeli Ranft

von Administrator

Bruder Klaus strahlt bis heute Frieden aus

Für viele Gläubige aus der Schweiz, ja aus dem ganzen deutschprachigen Raum ist der Flüeli Ranft ein Ort des Gebets und des Friedens, besonders im Bemühen um gute Entscheidungen. Die Jesuiten stehen da und dort in wichtigen Unterscheidungs- und Entscheidungsprozessen. Auch sie suchen Klarheit dazu im Hören auf Gott. 

So pilgerten gestern Nachmittag ein Dutzend Schweizer Jesuiten mit ihrem hohen Besuch aus Rom zu Bruder Klaus. Der heilige Niklaus von der Flüe steht für Stille, Gottsuche, Gebet, für Gerechtigkeit und Frieden, gerade auch in Zeiten, wo der Friede oft als unmöglich erscheint. 

Der aus Venezuela stammende Generalobere der Jesuiten Arturo Sosa weiss um die Zerbrechlichkeit der menschlichen Suche nach Versöhnung und Frieden. Er selbst nützte diese kleine Wallfahrt in besonderem Masse, seine Anliegen in der Stille des Ranftes in Gottes Hände zu legen.
Christoph Albrecht SJ

 

 


Sa, 21.9.2019: bei Mitbrüdern und Mitarbeitenden in Zürich

von Administrator

Arturo Sosa versteht sich als erster Mitarbeiter unter vielen

Ce n'est vraiment pas en «chef» des jésuites, mais en coopérateur parmi d'autres à la mission du Christ, que le Supérieur général Arturo Sosa a rencontré, sans façons et sans col romain, la plupart des 50 compagnons de Suisse, puis des nombreuses autres personnes engagées dans les institutions de la province, ce samedi matin à Zurich. 

Cette attitude humble et «relax» du jésuite vénézuélien venait appuyer en actes un message central dans ce tournant nouveau que la Compagnie internationale prend avec lui : une présence au cœur de la société plus discrète mais plus à l'écoute des hommes et des femmes de notre temps... et de Dieu ! Une priorité si déterminante, à l'heure où se fait tant sentir le besoin de sortir l'Eglise du cléricalisme, mais aussi de l'individualisme qui marque tant la société, en témoignant d'un Dieu qui aime et respecte les humains dans leur liberté, au point de les accompagner dans leur propre responsabilité envers le sort du monde.

Le P. Sosa n'a ainsi pas hésité à apostropher vigoureusement les jésuites suisses : avant de convertir la société, c'est à eux-mêmes de se laisser convertir par Dieu ; avant d'enseigner ou de planifier leur travail par des voies rationnelles, c'est une véritable attitude spirituelle qui doit leur permettre d'inviter d'autres personnes à prier, mais aussi les guider dans l'orientation de leurs futures missions. Pardon ! ce terme même de mission jésuite est encore l'occasion d'un rappel théologique décisif : c'est à la mission du Christ, à la mission de Dieu déjà à l'œuvre dans tant de cœurs et de processus sociaux, que les jésuites sont invités - par ce même Dieu ! - à participer, au lieu de risquer de se croire orgueilleusement dépositaires de leur propre "mission". Or le P. Sosa a rappelé le processus de partage spirituel et de prière qui a conduit les communautés et institutions du monde entier à réentendre de Dieu les quatre «préférences apostoliques» qui peuvent être les leurs en cette deuxième décennie du XXIème siècle. Un discernement en commun qui demande patience et humilité dans l'écoute et que le P. Sosa invite tous les jésuites à adopter comme moyen de décision habituel, non seulement en vue d'un résultat plus juste en vue du bien commun, mais aussi comme lieu de conversion et de témoignage évangélique supplémentaire. Ces quatre préférences ne sont pas des priorités, des domaines de travail, a fortement insisté le Supérieur général. Ce sont bien plutôt des points d'attention, des attitudes et des critères, selon lesquels toute œuvre jésuite doit à son tour discerner son action et son mode de vie propres, en fonction du contexte où elle s'inscrit.
Le P. Sosa a ainsi proposé comme modèle la figure d'Abraham, appelé par Dieu à quitter le confort de sa patrie, en lui disant non où aller, mais qu'Il le guiderait sur ce chemin. Selon les termes très précis de ces préférences apostoliques, les retraites ignaciennes ne sont donc pas une fin en soi, mais un moyen de trouver avec celles et ceux qui les vivent la "voie vers Dieu" de chacun-e. Il ne s'agit pas primordialement d'assister dans leurs besoins les "pauvres et les exclus", mais de "faire route" avec eux, comme les jeunes qui peuvent nous aider à comprendre le monde d'aujourd'hui. Enfin la transition écologique, mission la plus pressante de notre humanité, est surtout une œuvre commune à entreprendre avec toutes les bonnes volontés dans le monde... et avec les forces présentes dans la création elle-même !

Last but not least, le P. Sosa paraîtrait presque s'être laissé lui-même inspirer par la présentation enflammée de la Province qu'a offert le jeune jésuite en régence à JWL, Pascal Meyer ; après les œuvres des 6 villes suisses qu'il a présentées avec enthousiasme, c'est en effet à des jésuites en maison de retraite, si actifs dans le silence de leur prière que le scolastique a rendu un hommage touchant, mais aussi aux nombreu-se-s collaboratrices et collaborateurs des œuvres de la province, des cuisinièr-e-s aux administrat-rices et direct-rices d'institutions. De la même manière, le P. Sosa a insisté sur le fait que nous étions tou-te-s collaboratrices et collaborateurs, plutôt que des jésuites assistés par des employé-e-s laïques. Une occasion de relever que le travail des non-jésuites dans ces institutions ne doit rien avoir à envier, en qualité et en importance, à celui des jésuites ; mais aussi que le nombre décroissant de jésuite ne doit inquiéter personne, la qualité et la profondeur de ces derniers étant bien plus décisives !

Cette puissante et chaleureuse invitation à l'humilité et à une coopération active a sûrement fait du bien à tou-te-s les collaboratrices et collaborateurs présent-e-s, qu'ils et elles soient jésuites ou non...C'est ainsi dans un climat d'amitié et de simplicité que s'est déroulée la matinée, les temps d'échange autour d'un croissant, puis de prière au son d'un chant en espagnol proposé par le scolastique Mathias Werfeli, contribuant tout autant à sa réussite. Quel meilleur chemin envisager pour que la compagnie continue de témoigner, selon des voies toujours nouvelles, par une "vie-mission" où le style de vie est une activité apostolique en soi, de ce Jésus-Christ qui sauve l'humanité non comme un héros, mais en vivant avec elle et en l'accompagnant à travers toutes les joies et les vicissitudes de la vie.
Julien Lambert s.j.