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Arturo Sosa, General der Jesuiten, beendet Schweizbesuch morgen mit feierlichem Gottesdienst in Luzern.

von Pia Seiler

Er ist «Pater General», Chef von weltweit gut 15 000 Jesuiten und besucht erstmals unser Land: Arturo Sosa SJ ist am Donnerstag, 19.9.2019 in Genf angekommen. Über seine Stationen bis Sonntag, 22.9.2019 berichten wir hier.
Die Schweiz-Visite führt Arturo Sosa zu den Mitbrüdern und den Mitarbeitenden der Jesuitenwerke in Genf, Zürich und ins Lassalle-Haus ob Zug, des Weiteren zweimal auch in die Öffentlichkeit:

Podiumsdiskussion «Christsein heute – Kirche wohin»

Freitag 20. September, Universität Zürich, 17 Uhr
Häldeliweg 2, Raum HAH-E11 (Tramstation Platte)

Pater General im Gespräch mit

  • Bischof Dr. Felix Gmür, Bischof von Basel
  • Dr. Daniel Kosch, Generalsekretär Römisch-Katholische Zentralkonferenz RKZ
  • Dr. Gottfried Locher, Präsident Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund SEK
  • Prof. Dr. Barbara Hallensleben, Universität Fribourg
  • Dr. Daniel Foppa, Leiter Inlandredaktion Tamedia, Zürich
    Moderation: Judith Wipfler, Schweizer Radio SRF 2 Kultur

Festgottesdienst mit Musik von Pater Martin Schmid SJ

Sonntag 22. September, Jesuitenkirche Luzern, 10 Uhr

 

Arturo Sosa SJ am 19.9.2019 in der Kapelle der Jesuitengemeinschaft von Carouge GE

«Unsere Häuser hatten keine Zäune»

Wer ist Arturo Sosa SJ, der als 18-Jähriger kurz nach Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils in Venezuela der Societas Jesu beitrat und seit 2016 den grössten Orden der Kirche führt?

«Ich wurde am 12. November 1948 in Venezuela geboren, und am 24. November gab es einen Staatsstreich gegen den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes.»
Befragt zu seiner Person nach der Wahl 2016 zum Generaloberen der Jesuiten, erwähnt Arturo Sosa SJ dies als Erstes. Auch das Weitere im Interview mit einem Ordensbruder ist bezeichnend: «Meine Grosseltern waren sehr arm, aber mein Vater gehörte zur Generation, die das Land aufbaute. Wir waren eine grosse Familie, in der die Generationen eng zusammenlebten. Dies war sehr wichtig für mich. Unsere Häuser hatten keine Zäune, wir teilten unser Leben.» Die Familie war «sehr katholisch», ohne dies öffentlich kundzutun. «In dieser Situation habe ich gelernt, hinter die Kulissen zu schauen. Ich habe gelernt, dass die Dinge nicht notwendigerweise sind, wie sie sind.»
Der Vater, Ökonom und Rechtsanwalt, brachte es bis zum Finanzminister. Ein privilegiertes Elternhaus – eines auch mit Blick fürs Ganze. Oft durfte der kleine Arturo mit auf Inlandreisen des Vaters. «Wenn wir in einer fremden Stadt ankamen, sagte er immer Lass uns die Strassenbahn nehmen; und dann hat er mir die Stadt gezeigt.» Auch habe er oft gesagt, dass es einem nicht gut gehen könne, «wenn das Land nicht funktioniert und wir tun nichts, damit es endlich funktioniert.»

Wenn man sich für andere hingibt
Sosa durchlief in Caracas ab Kindergarten das Colegio San Ignacio, «mein zweites Zuhause» dank begabten Ordensbrüdern, Scholastikern, Jesuiten als Lehrer. «Um ehrlich zu sein, erinnere ich mich kaum an Chemie oder Mathematik», umso mehr an Aktivitäten der Marianischen Kongregation. «Die Wurzeln meiner Berufung: Ich lernte, dass das Leben Sinn macht, wenn man sich für andere hingibt.» Seine Freunde wurden Ärzte, Anwälte, gingen ins Amazonas-Gebiet. «Es gab ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl. Wir sahen die Notwendigkeit, Gesellschaft und Nation zu gestalten.»
1966 trat er als 18-Jähriger dem Orden bei – kurz nach dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils, das in seinen Kreisen grosse Strahlkraft hatte. Sosa studierte Politik- und Sozialwissenschaften. Die Praktikumsjahre führten ihn weit ins Landesinnere, ins jesuitische Centro Gumilla für Kleinbauern, das er dereinst leiten würde. Vorerst ging es zum Theologiestudium nach Rom. Widerwillig sei er abgereist, dankbar zurückgekehrt: In der internationalen Gemeinschaft der Jesuiten entdeckte er eine ganze Welt.

Zurück in Venezuela machte er universitäre Karriere, ohne je den tiefen Bezug zur Basis zu verlieren. Arturo Sosa hatte Lehrstühle im Spannungsfeld von Politikwissenschaft und katholischer Soziallehre inne und war acht Jahre Rektor einer Jesuitenuniversität. 1996 bis 2004 war er zudem Provinzial in seiner Heimat und bekam viel Anerkennung für seine Vermittlung bei politischen Spannungen im Land.
Dann rückte Rom erneut ins Zentrum. Ab 2008 vertraute ihm die Gesellschaft Jesu leitende Ordensämter an, bevor er am 14. Oktober 2016 zum Generaloberen gewählt wurde. «Er ist ein sehr erfahrener Mann, kann gut zuhören und moderieren», sagt Provinzial Christian Rutishauser SJ und: «Er hat Mut, Entscheidungen zu treffen.»
Pia Seiler

 

«Gemeinsam mit den Verworfenen der Welt»

Mit vier Leitlinien bekräftigen die Jesuiten ihr Engagement: Sie wollen noch dezidierter einen Weg zu Gott finden helfen, an der Seite der Benachteiligten stehen, mit jungen Menschen unterwegs sein und für die Schöpfung eintreten. Der Generalobere Arturo Sosa SJ kommentiert im Folgenden die vier so genannten apostolischen Präferenzen.

Die Jesuiten sind mit dem Papst in speziellem Masse verbunden – nicht erst seit 2013, als mit Franziskus ein Jesuit Papst wurde: 1540 erhielt der Orden die päpstliche Anerkennung; seither verpflichten sich die Jesuiten nebst Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam insbesondere auch zu Gehorsam gegenüber dem Papst.
Ordensgründer Ignatius von Loyola sah es so vor: Der Papst überträgt dem Orden besondere Aufgaben für die Gesamtkirche. Entsprechend redete der Papst durch die Jahrhunderte hindurch bei der zeitgeschichtlichen Ausrichtung des Ordens mit. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) stehen die Leitlinien des Ordens unter dem Stichwort ≪Glaube und Gerechtigkeit≫ und werden jeweils für eine Epoche festgelegt.
Nun bricht ein neues jesuitisches Jahrzehnt an. Dazu initiierte der Generalobere Arturo Sosa SJ einen konsultativen Prozess von 16 Monaten und bezog alle Jesuiten mit ein – zurzeit ein Orden mit etwas über 15 000 Mitgliedern (in der Schweiz 48). Papst Franziskus hat die neuen oder vielmehr erneuerten und geschärften Prioritäten der Jesuiten vor kurzem bestätigt; sie seien im Einklang mit den gegenwärtigen apostolischen Prioritäten der Kirche.

Die Gesellschaft Jesu orientiert sich für 2019–2029 an folgenden vier Leitlinien – an vier so genannten apostolischen Präferenzen:

Einen Weg zu Gott finden helfen durch Reflexion, Unterscheidung und geistliche Übungen.
Arturo Sosa SJ: ≪Eine reife säkulare Gesellschaft bietet die Voraussetzungen dafür, dass ein günstiges Umfeld für persönliche religiöse Prozesse entsteht: frei von sozialem oder ethischem Druck ist es möglich, sich tiefgreifenden Fragen zu stellen und frei die Nachfolge Jesu und einen christlichen Lebensstil zu wählen. Die geistlichen Übungen des Heiligen Ignatius von Loyola bieten ein vorzügliches Instrument, um Jesus, sein Leben und Werk gegenwärtig werden zu lassen.≫

An der Seite der Benachteiligten stehen, gemeinsam mit den Armen, den Verworfenen der Welt, den in ihrer Würde Verletzten auf dem Weg sein, gesandt zu Versöhnung und Gerechtigkeit.
Arturo Sosa SJ: ≪Wir bekräftigen unsere Verpflichtung zum Einsatz für Migranten, Vertriebene, Flüchtlinge, Opfer von Kriegen und Menschenhandel sowie für die Verteidigung der Kultur und der würdigen Existenz indigener Völker. Wir wollen dazu beitragen, Bedingungen für ihre Akzeptanz als Menschen zu schaffen. Die Verarmten zu begleiten, verlangt, unsere Studien und Analysen zu verbessern, um gründlich die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Prozesse zu verstehen, die soviel Ungerechtigkeit hervorbringen, und an der Entwicklung alternativer Modelle mitzuwirken.≫

Mit jungen Menschen unterwegs sein, Jugendliche und junge Erwachsene bei der Gestaltung einer hoffnungsvollen Zukunft aus dem Glauben heraus begleiten.
Arturo Sosa SJ: ≪Jungen Menschen, weltweit zur Mehrzahl arm, stellen sich enorme Herausforderungen im gegenwärtigen Kontext. Dazu zählen die abnehmende Zahl von Arbeitsplätzen, die zunehmende politische Gewaltbereitschaft, vielfältige Formen der Diskriminierung, die fortschreitende Verschmutzung der Umwelt. Gerade junge Menschen öffnen sich der Zukunft mit der Hoffnung, ein würdiges Leben in einer versöhnten Welt und in Frieden auch mit der Umwelt zu gestalten. Freiräume für sie in Gesellschaft und Kirche zu schaffen und zu erhalten, ist ein Beitrag, den die Werke der Societas Jesu leisten können.≫

Für und mit der Schöpfung leben, in der Sorge für das Gemeinsame Haus zusammenarbeiten.
Arturo Sosa SJ: ≪Die Beschädigung der Erde beschädigt auch die am meisten verletzlichen Menschen wie indigene Völker, die zur Flucht gezwungene Landbevölkerung, Bewohner der Randzonen der Grossstädte. Wir nehmen uns vor, mit dem was wir sind und was uns zur Verfügung steht, mit anderen mitzuwirken beim Aufbau alternativer Lebensmodelle, die auf Respekt vor der Schöpfung und auf nachhaltiger Entwicklung basieren. Eine Entwicklung, die fähig ist, Güter zu produzieren, welche – recht verteilt – für alle Menschen der Erde ein würdiges Leben sicherstellen.≫


Podium «Christsein heute – Kirche wohin»

von Administrator

«Grosse Schwester, lass dich nicht länger lähmen, wach auf, lebe den Glauben in Freiheit!»

Gut 300 Leute strömten zum Podiumsgespräch mit Jesuitengeneral Arturo Sosa an der Universität Zürich. Er traf am zweiten Tag seines Schweiz-Besuchs mit fünf Persönlickeiten der Schweizer Kirchen und Medien zusammen. Was sind die Antworten auf die Herausforderungen der Kirche in der heutigen Zeit? Was bedeutet es heute, Christ zu sein und welche Zukunft bietet sich den jungen Gläubigen?

Freitagabend, 20.9.2019: Eröffnet wurde das Podium «Christsein heute – Kirche wohin» durch Pater Provinzial Christian Rutishauser, der in seiner Einleitung die universale und globale Sendung der Jesuiten unterstrich, die sich im Einsatz für Glaube und Gerechtigkeit heute mehr denn je in einem interkulturellen und interreligiösen Umfeld bewegen. Damit wurden auch gleich Eckpfeiler des Abends eingeschlagen, nämlich die Situation der universalen Kirche einerseits und der Lage der lokalen Kirche andererseits.

Judith Wipfler vom Schweizer Radio SRF 2 führte als Moderatorin die sechs Podiumsteilnehmenden gekonnt und mit viel Wissen durch den Abend und lud sie zu Beginn zu einem Eröffnungsstatement ein.

Barbara Hallensleben von der Universität Fribourg stellte ganz ignatianisch drei Thesen auf, die für sie die heutige Situation ausmachen: Kirche sei erstens nicht neu zu erfinden, sondern neu zu entdecken. Zweitens erfordere das universale Evangelium eine je eigene lokale Inkulturation und drittens werde Kirche heute vor allem ökumenisch gelebt, was sich in der vielfachen Zusammenarbeit und im Zusammenleben zeige.

Bischof Felix Gmür von Basel unterstrich, dass die Kirche in der Schweiz sehr vielfältig sei. Der Einfluss auf die Gesellschaft und die Individuen sei angesichts von Missbrauchsskandalen und einer immer grösseren Unabhängigkeit der Gläubigen zwar weiter am Schwinden, aber die Solidarität der Schweizer Gläubigen, gerade mit den Ärmsten, sei ungebrochen. Ein wichtiges Feld für Reformen sieht Bischof Gmür bei der Frage nach Gerechtigkeit innerhalb der Kirche.

Für Daniel Kosch, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ), ist das einst stabile und konstruktive Verhältnis von Staat und Kirche nicht nur durch die äussere Säkularisation der Gesellschaft unter Druck geraten, sondern stehe durch die Missbrauchsskandale auch innerkirchlich immer mehr in der Kritik. Während in der Deutschschweiz dank aktuell guter Finanzen immer noch Strukturen erhalten würden, gelte in der welschen Schweiz dagegen schon jetzt die Devise «faire mieux avec moins – besser arbeiten mit weniger». In Anlehnung an Bischof Gmür sieht auch er die Gerechtigkeit innerhalb der Kirche als grosses Thema. Ohne Gleichberechtigung, Demokratie und die Respektierung der Menschenrechte könne die Kirche so nicht weitermachen.

Pfarrer Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), prägte die einfache und prägnante Formel von der mangelnden Auftragstreue. Erster Auftrag der Kirche sei die Verkündigung des Evangeliums nach Matthäus Kapitel 28. Leider würden wir vieles tun, was zwar schön sei, aber eigentlich nicht zu unserem Kernauftrag der Evangelisierung in Wort und Tat gehört. Gleichzeitig gebe es viele junge und alte Menschen, die sich dafür einsetzten und denen wir eine Stimme und die Gelegenheit zur Verkündigung geben müssten.

Daniel Foppa schliesslich, Leiter Inlandredaktion Tamedia, outete sich als begeisterter Katholik, der sich daher umso betrübter angesichts der offensichtlichen Reformunfähigkeit der Katholischen Kirche zeigte. Dies sei mit ein Grund, warum so viele Leute sich von der Kirche abwendeten und weswegen auch viel Basiswissen um Religion und Kirche verloren gingen. Er forderte eine Öffnung der Kirche und appelierte an die Jesuiten, bei dieser Öffnung mitzuarbeiten.

Mit einem grösseren Beitrag meldete sich Jesuitengeneral Arturo Sosa zu Wort. Anhand einer Präsentation zeigte er auf, wohin die Herausforderungen der Kirche uns führen könnten. Zunächst betonte er die Wichtigkeit und Notwendigkeit der aufgeworfenen Fragen. Und gleichzeitig betonte er, dass vieles nicht durch reine Diskussionen gelöst werden könne. Was es brauche, sei Weisheit – nicht im intellektuellen, sondern im biblischen Sinn: ein Abwägen, das die Vergangenheit und die Arbeit unserer Vorgänger reflektiert, das sich aber auch auf die Zukunft einlässt, anpasst, erneuert und dem Heiligen Geist den nötigen Raum gibt. Als gutes Beispiel nannte er das Zweite Vatikanische Konzil, das nicht nur eine inspirierende Etappe der Kirchengeschichte sei, sondern in vielem erst noch entdeckt und umgesetzt werden müsse, gerade in der Synodalität.

Die heutigen Herausforderungen seien vielfältig und tatsächlich bedrohend: Zerstörung der Umwelt, Ungleichheit der Ressourcen, Missachtung von Menschenrechten und Demokratie und der fehlende Wille für das Allgemeinwohl von populistischen und nationalistischen Regierungen. Einerseits leisteten die Jesuiten im Einsatz für Glauben, Gerechtigkeit, Bildung und in der Hilfe für Migrantinnen und Migranten und sozial Benachteiligten einen direkten Beitrag für die Linderung des Elends. Andererseits lieferten sie mit der intellektuellen Analyse der Ursachen auch neue Lösungsmodelle. Zur Säkularisierung und dem schwindenden Einfluss der Kirche meinte Pater Sosa, man könne dieser Entwicklung entweder mit Angst begegnen oder sie als Chance begreifen, den Menschen von neuem und mit neuen Mitteln das Evangelium nahe zu bringen. Eine freie Gesellschaft profitiere stark von der erneuerten Verkündigung des Glaubens, der sich fragt, was Gottes Wille heute ist. 

Die anschliessende Fragerunde aus erfreulich zahlreichen Publikum zeigte das grosse Interesse an den Fragen und Herausforderungen der Zeit. Die Gleichberechtigung der Frau in der Kirche, antwortete Pater Sosa, müsse Gelegenheit sein, Hierarchie grundsätzlich neu zu denken, ansonsten der Klerikalismus einfach um eine Dimension erweitert würde. In der Armutsbekämpfung müsste die Kirche besser mit anderen zusammenarbeiten und Kräfte bündeln. Bischof Gmür erinnerte daran, dass es neben Matthäus 28 auch das 25. Kapitel gebe, das die barmherzigen Werke betone. Dies sei die Verkündigung in Wort und Tat. Nach den Schlussvoten der Podiumsteilnehmer richtete Gottfried Locher nochmals einen Appell an die «grosse liebe Schwester», sich nicht mehr länger von ihren eigenen Schwierigkeiten lähmen zu lassen, sondern aufzuwachen und den Glauben in Freiheit zu leben. 
Mathias Werfeli SJ


Arturo Sosa ist in Genf angekommen

von Administrator

Nach langer Vorbereitung war es endlich soweit: Der Generalobere der Jesuiten Arturo Sosa SJ kam gestern Vormittag in der Genfer Kommunität an, gemeinsam mit Tomasz Kot SJ, Assistent für Zentral- und Osteuropa und dem Medienverantwortlichen Pierre Bélanger SJ. Ein Treffen mit Vertretern von internationalen humanitären Organisationen stand an. Mitten drin Arme und Ausgegrenzte, die an Bildungsprogrammen der Jesuiten teilnehmen und per Videobotschaft grüssten.

Der Konferenzsaal der Jesuitenkommunität in Carouge war mit über zwanzig Repräsentanten von Kirche, Nichtregierungsorganisationen, Medien und UNO-Werken gut gefüllt. Die klare Überzahl von männlichen Gästen bei diesem Empfang stach allerdings ins Auge – wohl ein Spiegel der Strukturen innerhalb von Kirche und humanitärer Organisationen.

Der Schweizer Provinzial Pater Christian Rutishauser SJ begrüsste die Gäste und bot einen Überblick über die historische Entwicklung der Jesuiten in der Westschweiz sowie das besondere Engagement in Genf. Dabei betonte er die Bedeutung der Gesellschaft Jesu für die katholischen Medien in der Romandie. Heute sei eine klare Verschiebung spürbar – vom lokalen Engagement innerhalb der Genfer Kirchenlandschaft hin zu internationalen Engagements der Jesuiten: etwa durch den Flüchtlingsdienst der Jesuiten JRS oder durch die Präsenz bei der Internationalen Arbeitsorganisation ILO.
Nach der Vorstellung der Genfer Kommunität durch Superior Bruno Füglistaller SJ und Pierre Martinot-Lagarde SJ wurden die Gäste der drei internationalen Jesuitenwerke JRS, ILO und Jesuit Worldwide Learning JWL vorgestellt. Die Vielfalt der Nationalitäten war faszinierend und passend zu einer internationalen Stadt wie Genf: Die Gäste stammen aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, England, Libanon, Argentinien, Venezuela, Polen, USA. Der Direktor von Jesuit Worldwide Learning, Peter Balleis SJ, gab das Wort danach an Frau Oula Abu-Amsha, Direktorin des Bildungsbereichs von JWL. Die gebürtige Syrerin teilte mit den Gästen ein bewegendes Stück ihrer Lebensgeschichte: Sie ist Tochter palästinischer Flüchtlinge und plädierte für freien Zugang zu Bildung für alle Menschen. Hochschulbildung müsse für Menschen an den Rändern der Gesellschaft zugänglich sein und dürfe nicht als Luxusgut betrachtet werden. «Wenn dir alles in deinem früheren Leben weggenommen wurde, so bleibt dir immerhin noch die Bildung als ein unzerstörbarer Wert!»

Der weitere Verlauf des Abends stand ganz im Zeichen der apostolischen Präferenzen der Jesuiten. Papst Franziskus hatte diese im Februar 2019 wie folgt bestätigt:

-          Ein Weg zu Gott: Durch ignatianische Unterscheidung und Exerzitien zu Gott finden helfen.

-          An der Seite der Benachteiligten: Auf dem Weg mit den Armen, den Ausgestoßenen der Welt, den in ihrer Würde Verletzten für Versöhnung und Gerechtigkeit eintreten.

-          Mit jungen Menschen: Jugendliche und junge Erwachsene bei der Gestaltung einer hoffnungsvollen Zukunft begleiten.

-          Für die Schöpfung: In der Sorge um das Gemeinsame Haus zusammenarbeiten.

Und wo würden die Gäste ihre Präferenz setzen? Auf Pierre Martinot-Lagardes Frage folgte unisono die Antwort: Alle vier apostolischen Präferenzen seien wichtig. Die Schwerpunkte jedoch sind bemerkenswert. So erwähnte Martin Robra vom Conseil Oecuménique das grössere Bewusstsein der breiten Bevölkerung für die Erhaltung der Schöpfung, insbesondere in den Kirchen: «Wir erleben heute eine stärkere Bereitschaft zur Zusammenarbeit, wenn es um ökologische Anliegen geht  – Gott sei Dank.»
Nick Sore von UNHCR verwies auf die Verbindung zwischen dem Jugendapostolat und der Sorge um die Ausgegrenzten: «Unter den Armen, Flüchtlingen und Ausgegrenzten sind Jugendliche und Kinder in den meisten Fällen zusätzlich ausgegrenzt und bedroht. Sie leiden doppelt an ungerechten Strukturen.» Für Erzbischof Ivan Jurbkovic, den apostolischen Nuntius in Genf, ist klar, dass die Jesuiten eine Rolle in dieser internationalen Stadt spielen müssten: «Hier in Genf leben ungefähr 20 000 Diplomaten, die über das Schicksal von Nationen beraten. Wir als Kirche haben hier eine Mission.»

Pater Arturo Sosa SJ hielt den besonderen Charakter des Entstehungsprozesses der Präferenzen fest. Zum ersten Mal in der Geschichte der Gesellschaft Jesu waren sämtliche Mitbrüder, Kommunitäten, Werke, Provinzen und Regionen in den Unterscheidungsprozess eingebunden, dessen Resultate Verbindlichkeit für die nächsten zehn Jahre haben. «Die Präferenzen sind für uns alle eine Inspiration. Sie sollen uns zur inneren Konversion anleiten. Dies ist eine Einladung an jeden einzelnen Jesuiten und an die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten. Und doch wird der Unterscheidungs- und Reflexionsprozess auch in Zukunft weitergehen müssen: Mit den apostolischen Präferenzen sind wir nicht am Ende des Prozesses angelangt.» Bemerkenswert war dabei Pater Arturos Blick auf die Bedeutung des Jugendapostolats: «Oftmals gehen Jesuiten davon aus, man müsse junge Menschen zu allem anleiten und ihnen den Weg zu Gott zeigen. Kennen wir diesen Weg denn selber genug? Vielleicht geht es nicht darum, den Jugendlichen zu helfen, sondern dass uns viel mehr junge Menschen helfen können.»

Berührend war die Grussbotschaft von Studierenden und Lehrpersonen von Jesuiten-Flüchtlingsdienst und Jesuit Worldwide Learning: Sie berichteten in kurzen Videos aus Afghanistan, Irak, Jordanien, Kenia und Malawi über ihre derzeitigen Herausforderungen, Schwierigkeiten, Hoffnungen und Träume. So waren Arme und Ausgegrenzte mitten drin im Abendanlass. Ihre Geschichten hallten beim späteren Apéro in vielen Gesprächen nach.
Pascal Meyer SJ

 


Warum ist die Hilfe für Flüchtlinge so verlangsamt? UNHCR-Forum sucht mit JWL-Beteiligung nach Lösungen

von Pia Seiler

Warum geht die Hilfe für Flüchtlinge und Vertriebene so langsam voran? Warum gelingt es der internationalen Gemeinschaft nicht, Menschen in Flüchtlingslagern, Kriegszonen und Aufnahmezentren besser zu schützen und ihnen Lebensperspektiven zu gewähren? Antworten und Lösungen suchen Vertreterinnen und Vertreter aller involvierter Kreise Mitte Dezember am ersten internationalen Flüchtlingsforum in Genf unter UNHCR-Schirmherrschaft und mit namhafter Beteiligung des Bildungswerks Jesuit Worldwide Learning (JWL).

Vom 16. bis 18. Dezember 2019 wird die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR das erste internationale Flüchtlingsforum in Genf durchführen. Während den Tagen des Global Refugee Forum (GRF) werden Vertreter von Regierungen, internationalen Organisationen und Hilfsprojekten sowie Flüchtlingsvertreter, Lehrkräfte und Fachpersonen im humanitären Bereich zusammenkommen, um Antworten auf die brennenden Fragen zu liefern: Warum geht die Hilfe für Flüchtlinge und Vertriebene so langsam voran? Warum gelingt es der internationalen Gemeinschaft noch nicht, Menschen in Flüchtlingslagern, Kriegszonen oder Aufnahmezentren besseren Schutz, Arbeitsperspektiven und Bildungszugänge zu gewähren? Der weltweite Zugang zu Hochschulbildung für Flüchtlinge beispielsweise liegt bei lediglich rund drei Prozent – geplant ist seit langem eine Zugangsrate von 20 Prozent!

Jesuit Worldwide Learning (JWL), das Bildungswerk des Zentraleuropäischen Jesuitenprovinz mit Sitz in Genf, ist bei den Vorbereitungen zum Forum aktiver Partner des UNHCR.  Vor zwei Monaten fragte die UN-Flüchtlingsorganisation an, ob das Bildungswerk der Jesuiten kurzfristig eine Feldforschung zum Thema Hochschulzugang für Flüchtlinge durchführen kann, die in vom Krieg geschädigten Gebieten leben. JWL hat diese anspruchsvolle Aufgabe an die Hand genommen. So werden in den kommenden Wochen in den JWL-Lernzentren in Afghanistan, Irak, Jordanien, Kenia und Malawi verschiedene Workshops durchgeführt. JWL will Studentinnen und Studenten, Absolventinnen und Absolventen, Vertreterinnen und Vertreter aus dem Bildungssektor in den jeweiligen Regionen zusammenbringen, um einerseits die Hindernisse zu Hochschulbildung zu benennen, andererseits praktikable Lösungsansätze auf lokaler und internationaler Ebene zu erarbeiten. Der Fokus liegt primär auf der Eigenverantwortung, Kreativität und Innovation auf lokaler Ebene. Gleichzeitig werden  auch konkrete Vorschläge und Anträge an die internationale Gemeinschaft formuliert, die zu einer Stärkung lokaler Strukturen führen.

Pascal Meyer SJ

 


Evangelium des Tages in einer Minute zum grossen Leitthema der Jesuiten: Gott suchen und finden in allen Dingen.

von Pia Seiler

Junge Jesuiten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bringen das jeweilige Sonntags- und Feiertagsevangelium in einer Minute auf den Punkt. 

14.09.2019: Jonas Linz SJ über das grosse Leitthema der Jesuiten: Gott suchen und finden in allen Dingen.

07.09.2019: Gerald Baumgartner SJ über unsere ureigenen Ressourcen

31.08.2019: Dag Heinrichowski SJ zum richtigen Feiern

3.8.2019: Martin Föhn SJ über den Wunsch, immer das Neuste besitzen zu wollen

27.7.2019: Christian Braunigger SJ übers Bitten und Geben

21.7.2019: Martin Föhn SJ als Gastgeber

13.07.2019: Dag Heinrichowski SJ über den Barmherzigen Samariter

06.07.2019: Max Heine Geldern SJ übers Kofferpacken

29.06.2019: Clemens Kascholke SJ über Kuschelkurs oder echte Nachfolge

22.06.2019: Gerald Baumgartner SJ über die Frage, die dein Leben verändern könnte

20.06.2019: Sebastian Ortner SJ über das Hochfest Fronleichnam

15.06.2019: Christian Braunigger SJ über den Atomwaffentest Trinity von 1945

08.06.2019: Sebastian Orrtner SJ über das Geheimnis des Heiligen Geistes

01.06.2019: Martin Föhn SJ übers Zuhören

30.05.2019: Dag Heinrichowski SJ über Veränderungen, Freude und Mut

4.5.2019: Martin Rieder SJ über die Zeit nach Jesu Tod (Joh 21, 1-19)

11.05.2019: Martin Föhn SJ über Schafe und Löwen

28.4.2019: Jonas Linz SJ über die Kraft der Nähe

20.04.2019: Clemens Kascholke SJ über die Wirkung von Ostern heute

18.04.2019: Jonas Linz SJ zu Jesus' Kreuzigung (Joh 18,1-19,42)

17.04.2019: Max Heine Geldern SJ zum letzten Abendmahl (Joh 13, 1-15)

13.04.2019: Christian Braunniger SJ zum Palmsonntag (Lk 19, 28-40)

6.4.2019: Sebastian Ortner SJ über Jesus und die Ehebrecherin (Joh 8, 1-11)

30.3.2019: Jonas Linz SJ über den barmherzigen Vater (Lk 15, 1-3.11-32)

23.3.2019: Marco Hubrig SJ über die Verkündigung Mariens (Lk 1, 26-38)

Wunsch von Clemens Kascholke SJ für die nächste Woche (Lk 9, 28b-36)

Gerald Baumgartner SJ zu den 40 Tagen von Jesus in die Wüste (Lk 4, 1-13)

Dag Heinrichowski SJ zum «richtigen Fasten» (Mt 6, 1-6.16-18)


Drei Jesuiten zu Kardinälen ernannt

von Pia Seiler

Designierter Kardinal Jean-Claude Hollerich SJ am Fr. 13. Sept. Gast in Zürich

Rom (KNA/r) - Papst Franziskus hat am 1. Sept. 2019 die Ernennung von 13 neuen Kardinälen angekündigt – drei von ihnen sind Jesuiten: der Luxemburger Erzbischof und Präsident der Kommission der europäischen Bischofskonferenzen (COMECE) Jean-Claude Hollerich SJ und der kanadische Jesuit Michael Czerny SJ, Leiter der Sektion für Flüchtlings- und Migrationsfragen in der vatikanischen Entwicklungsbehörde. Außerdem will der Papst den emeritierten Erzbischof von Kaunas in Litauen Sigitas Tamkevičius SJ für dessen Verdienste um die Kirche in den Kardinalsstand erheben, er kann aber aufgrund seines Alters nicht mehr an einer möglichen Papstwahl teilnehmen.

Jean-Claude Hollerich SJ (61) wurde am 9. August 1958 im luxemburgischen Differdange geboren. Seit 2011 ist er Erzbischof im traditionell katholisch geprägten Luxemburg. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt trat der Jesuit als Krisenmanager auf, als die 2013 gewählte Regierung um den liberalen Premierminister Xavier Bettel auf eine stärkere Trennung des Staat-Kirche-Verhältnisses abzielte. 2018 übernahm Hollerich das Amt des Vorsitzenden der EU-Bischofskommission COMECE. In dieser Funktion setzt er sich als Vermittler zwischen unterschiedlichen Sichtweisen für eine europäische Lösung der Flüchtlingsfrage ein.
Der designierte Kardinal Jean-Claude Hollerich SJ ist Gast in Zürich an der 4. Ladanyi-Vorlesung:Er analysiert die gegenwärtige globale Umweltkatastrophe und beschreibt, wie Spiritualität zur Lösung der Wasser-, Boden-, und Luftverschmutzung beiträgt. Mit einem Grusswort von Prof. Dr. Marcello Robbiani und einer Einführung von P. Dr. Stephan Rothlin SJ
Freitag, 13. September, 19.00 Uhr – 20.30 Uhr, Universität Zürich, Rämistrasse 71, Hörsaal KOL-F-101

Michael Czerny SJ (73), geboren 1946 in der damaligen Tschechoslowakei, ist kandischer Jesuit und seit 2017 Untersekretär des "Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen". Bekanntheit erlangte er als Migrationsexperte des Vatikan. Er forderte wiederholt eine offenere Migrationspolitik der EU sowie mehr Einsatz gegen Menschenhandel und Ausbeutung weltweit. Im Mai ernannte der Papst ihn zu einem der Sondersekretäre der Amazonas-Synode, die im Oktober im Vatikan stattfindet.

Sigitas Tamkevičius SJ (80) gilt als eine Symbolfigur für die litauische Kirche und den litauischen Widerstand im Sowjetregime. Als Jesuit wurde er vom Regime verfolgt, mehrere Jahre verbrachte Tamkevicius in Gulags "wegen antisowjetischer Agitation und Taten". Er war Begründer und Chefredakteur der "Chronik der katholischen Kirche in Litauen", einer Zeitschrift, die zwischen 1972 und 1989 die Verfolgung der Kirche durch die Sowjetmacht dokumentierte. 1996 übernahm er die Leitung der Erzdiözese Kaunas. Für zwei Amtszeiten führte er den Vorsitz in der Litauischen Bischofskonferenz. Bei seiner Pensionierung 2015 würdigte der Generalsekretär der Bischofskonferenz Tamkevicius als "Legende des kirchlichen Widerstands". Als solche spielte er noch einmal eine Rolle beim Papstbesuch 2018: Franziskus ließ sich bei seinem Besuch des ehemaligen KGB-Foltergefängnisses von Tamkevicius begleiten.


Wir Juden: Jesuit Christian Rutishauser im Magazin bref

von Pia Seiler

Viele Christen halten das Verhältnis zu den Juden und zum Judentum für aufgearbeitet und erledigt. Damit machen sie es sich zu einfach, sagt Christian Rutishauser SJ. Seit Jugend treibt ihn die Frage um, warum bereits die frühen Christen die Juden zum Feind machten, dies bis heute unbewusst nachwirkt und was dagegen zu tun ist. Rutishauser hat Judaistik in Jerusalem, New York und Luzern studiert, längere Zeit in Israel gelebt, hat heute verschiedene Lehraufträge im Bereich jüdischer Studien inne und berät den Papst in Fragen des Judentums.

Hier gelangen Sie zum Interview von Susanne Leuenberger im Magazin bref 12/ 2019 mit spannenden Ein- und Aussichten des Provinzials der Schweizer Jesuiten.

Quellenangabe: Reformierte Medien, bref Magazin, Pfingstweidstrasse 10, 8005 Zürich.


World Refugee Day 20.Juni: Einblick ins JWL-Programm Englisch im Flüchtlingslager

von Pia Seiler

«Finally, my dream is living in peace»: Einblick von Pascal Meyer SJ ins JWL-Programm Englisch im Flüchtlingslager


Flüchtlingssonntag: Asyl für Jesus?

von Regula Lutz

P. Christoph Albrecht SJ hat für den Kirchenboten Basel einen Beitrag zum Flüchtlingssonntag verfasst.

Zum Beitrag ...


Theologische Aufbrüche und ihre Köpfe in der Schweiz: neues Buch mit spannenden Porträts

von Pia Seiler

Im 19. und 20. Jahrhundert gab es in der Schweiz ein reges theologisches Schaffen. Dies dokumentiert der dritte Band «Aufbruch und Widerspruch» mit Porträts von 55 Schweizer Theologinnen und Theologen. Von Victor Conzemius zu Doris Strahm, von Robert Leuenberger zu Herwig Aldenhoven: «Sie alle haben im 20. Jahrhundert und bis in die neueste Zeit das theologische Verstehen und ethische Handeln in den Kirchen, an den Universitäten und in der Gesellschaft reflektiert und geprägt, sei es in biblischer, ökumenischer oder interreligiöser Hinsicht, sei es aus historischer, systematischer oder praktischer Perspektive», schreibt Mitherausgeber Stephan Leimgruber. In spannenden Beiträgen von jeweils 15 bis 25 Seiten werden die Biographien und Werke der einzelnen Theologinnen und Theologen vorgestellt, analysiert und in die weitere Geschichte eingeordnet. Persönlichkeiten aus dem nahen Ausland, die hier ihren Lebensmittelpunkt hatten und hier ihr Lebenswerk schufen, wurden ebenso aufgenommen wie die zahlreichen Schweizerinnen und Schweizer, die im Ausland lebten und lehrten.

Unter den Porträtierten sind auch vier Jesuiten:
Mario von Galli SJ (1904-1987) – Konzilsberichterstatter: «Wandelt Euch im Denken». Beitrag von Alois Schifferle
Ludwig Kaufmann SJ (1918 - 1991) – Konzilszeuge und Konzilsdeuter: schreiben und hoffen in winterlicher Zeit. Beitrag von Nikolaus Klein SJ
Raymund Schwager SJ (1935-2004) – Theologisch denken im Drama von Glaube und Gewalt. Beitrag von Mathias Moosbrugger
Hans Schaller SJ (*1942) – Geistliche Theologie aus Ignatianischen Quellen. Beitrag von Stephan Leimgruber

Lesen Sie das Interview von Regula Pfeifer mit Stephan Leimgruber auf kath.ch

Aufbruch und Widerspruch, Schweizer Theologinnen und Theologen im 20. und 21. Jahrhundert: Porträts von 55 theologischen Persönlichkeiten im Kontext der modernen europäischen Geschichte, Angela Berlis, Stephan Leimgruber, Martin Sallmann (Hg.), Verlag TVZ 2019

Buchpräsentationen waren in Bern und Basel, im Juni zudem noch: 
17. Juni, 19.30 Uhr, Festsaal St. Katharinen, St. Gallen
24. Juni, 18.15 Uhr, Fraumünster, Zürich


2018 fast 70 Millionen auf der Flucht: Jesuiten-Flüchtlingsdienst nötiger denn je

von Pia Seiler

Der Generalobere der Jesuiten, Pater Arturo Sosa SJ, ruft in seinem Brief vom 24. Mai 2019 an alle Jesuiten zu einem verstärkten Engagement mit den Geflüchteten auf. Er hebt die wachsende Notwendigkeit zur Stärkung des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes JRS hervor, welche sich in praktisch allen Ländern aufdrängt: Während die Zahl von Flüchtlingen weiter ansteigt, sinkt die Bereitschaft zur Aufnahme, feststellbar durch zunehmende Abschottung, dem Rückgang von Resettlement-Programmen, dem Schüren von Feindbildern.

Arturo Sosa bedankt sich für alle anderen kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Initiativen zur Unterstützung von Flüchtlingen, und ruft «die Mitglieder der Gesellschaft Jesu und ihre Partner dazu auf, insbesondere diejenigen in Leitungspositionen, sich an der Umsetzung der JRS-Vision der Inklusion und Integration von Flüchtlingen zu beteiligen.» Des weiteren präzisiert er: «Die Sendung des JRS muss von all unseren Institutionen geteilt werden, seien sie akademisch, pädagogisch, sozial, intellektuell, pastoral oder spirituell. Sie alle können zur Begleitung und zum Dienst an Flüchtlingen beitragen.»

Der Flüchtlingsdienst der Jesuiten ist auch in der Schweiz aktiv.
Hier erfahren Sie mehr. 

 

Afghanin mit ihrer kleinen Tochter im Kirchenasyl

Existentielle Fragen in Predigten? Doch nur noch im Theater und in Konzerten...

von Pia Seiler

Vermag die Kirche mit ihren Gottesdiensten noch Intellektuelle anzusprechen? Sind sie mit ihren letzten Sinn- und Wertefragen nicht besser bei kulturellen Veranstaltungen, im Theater, im Konzert aufgehoben? «Liturgie ist mit den Medien Theater, Kunst und Musik verwandt», schreibt Christian Rutishauser SJ in seinem NZZ-Gastbeitrag vom 30.5.2019 und weiter: «Um Intellektuelle anzusprechen, brauchen Vorsteher und Vorsteherinnen von Gottesdiensten also nicht nur die Fähigkeit, existenzrelevante Fragen in prägnanter Sprache vorzutragen. Sie brauchen auch dramaturgische und ästhetische Kompetenz.»
Liturgie aber ist nicht nur Predigt Liturgie ist viel mehr.

Hier gelangen Sie zu Christian Rutishausers NZZ-Gastbeitrag vom 30.5.2019