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Der stärkste Mann im Kampf gegen Antisemitismus: Jesus – Patrik Schwarz und Christian Rutishauser in der «Zeit»

von Pia Seiler

«Gegen den weltweit wachsenden Antisemitismus sollte die Kirche ihren stärksten Mann in den Kampf schicken: Jesus». So überschreibt Patrik Schwarz seinen Beitrag in der aktuellen «Zeit» und erinnert an das Fest der Beschneidung Jesu am 1. Januar.

Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil war der 1. Januar ein hoher kirchlicher Feiertag. Gefeiert wurde die Beschneidung Jesu, ein Gebot seiner Vorväter. Sie sind an prominenter Stelle in der Weihnachtsgeschichte genannt: Jesus stammt vom Hause und Geschlecht Davids ab. «Noch ehe Jesus also Christus wurde, war er Jude», schreibt Patrik Schwarz in der aktuellen «Zeit»-Ausgabe und weiter:
«Den 1. Januar wieder zu ehren als kirchlichen Feiertag wäre ein starkes Signal, dass der Vatikan sich an die Seite seiner «älteren Geschwister im Glauben» stellt, wie Papst Johannes Paul II. es einst formulierte.(...) Wie dringend notwendig diese Eindeutigkeit im Bekenntnis wäre, zeigt nicht bloss die jüngste Debatte um die Haltung von Papst Benedikt zum Judentum. Den Deutschen als Judengegner zu diffamieren, auch wenn er dereinst in Marktl am Inn in der Hitlerjugend war, ist falsch und ungerecht – Joseph Ratzinger hat Johannes Pauls projüdischen Kurs als dessen engster Mitarbeiter vorgezeichnet und schon als Kardinal von München die sogenannte Integrierte Gemeinde unterstützt, der das Verhältnis zum Judentum ein besonderes Anliegen war. Der Wirbel um einige Aufsätze Benedikts zeigt aber, wie frisch die Wunden noch sind.»

Patrik Schwarz, Geschäftsführer der «Zeit»-Seiten Christ&Welt, zitiert in diesem Zusammenhang Christian Rutishauser. Im Folgenden die leicht gekürzte Passage:
«Ein massgeblicher Vordenker in der Frage ist der Provinzial der Schweizer Jesuiten, Christian Rutishauser. Nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch bei den beiden lebenden Päpsten bemüht er sich seit Jahren um eine Anerkennung des Festes der Beschneidung. «Ich habe Papst Benedikt wie Franziskus dazu Papiere vorgelegt, mit der Bitte, das Fest der Beschneidung Jesu am 1. Januar wiederherzustellen», sagt er gegenüber Christ&Welt. (…) Rutishauser plädiert dafür, die Beschneidung als «Mysterium» zu verstehen, «mit dem Jesus als Kind in den von Gott nie gekündigten Bund mit Abraham eintritt». Dieser Bund werde somit «in den Leib des Herrn eingeschrieben». Wem das zu martialisch klingt, den erinnert der Theologe an den Bezug zu Ostern und dem Abendmahl, bei dem ebenfalls das Blut Christi geistlich verstanden wird: «Das Blut, das Jesus bei der Beschneidung für den Alten Bund vergiesst, ist dasselbe, das er für den Neuen Bund in seiner österlichen Vollendung vergießen wird.»


Zum 100. Todestag von Abbé Joye, Filmpionier und Jugendseelsorger: Dokfilm am 15. März und Filmseminare

von Pia Seiler

Er vermochte im reformierten Basel eine Generation junger Katholikinnen und Katholiken zu begeistern: Abbé Joye (1852 – 1919), Jugendseelsorger, Fotograf, Cineast – und Gründer des ersten Basler Kinos. Zum 100. Todestag wird das Wirken des Jesuiten noch einmal lebendig: Das aki Zürich gedenkt ihm mit einem Filmseminar am 3. März und dem Dokfilm «A propos de Joye» am 15. März, das Lassalle-Haus mit Seminaren übers Jahr verteilt.

Joseph Alexis Joye kommt am 18. April1852 in Romont FR als erster von fünf Söhnen zur Welt. Der Vater stirbt, als er elf ist. Finanziell hat die Familie wohl wenig Sorgen. Joseph schaft den Übertritt ans Gymnasium St. Michel in Fribourg. Schon der 17-Jährige äussert den Wunsch, Jesuit zu werden. Er wird ins Noviziat aufgenommen. Es folgen ordensübliche Studien in Deutschland, Holland, Belgien und England, unterbrochen vom Sanitätsdienst, den er im Deutsch-Französischen Krieg 1870 zu leisten hat. 1882 wird er zum Priester geweiht. Gerne wäre er Missionar in Übersee geworden, doch seine Oberen schicken ihn nach Basel. Er wird Vikar in der St. Clara-Pfarrei, dann in der neuen Pfarrei St. Marien, wo er sich um die Französisch sprechenden Katholikinnen und Katholiken kümmert. Während den 25 Jahren seines Wirkens verschiebt sich sein Schwerpunkt auf die Jugendarbeit; von 1911 bis 1915 ist er zudem Provinzial im deutschsprachigen Raum.

Jugendseelsorger, Fotograf, Cineast
Abbé Joye erobert sich in kurzer Zeit die Herzen der katholischen Basler Schuljugend. Besonders in der Sonntagsschule kann er seine Fähigkeiten voll entfalten. Er weiss spannende Geschichten aus der Bibel zu erzählen, und in seiner narrativen Theologie kommt sein Hobby zum Zug: das Fotografieren. Augenzeugen erinnern sich an den Lattenverschlag auf dem Dachboden des Pfarrhauses – seine Dunkelkammer, wo er mit einem Diamanten aus Resten von Fensterglas Fotoplatten schneidet. Altes Geschirr dient bei der Filmentwicklung, eine Badewanne zum Wässern der entwickelten Platten. Seine Bilder sucht er in Büchern und Illustrierten zusammen. So entstehen in Kleinstarbeit 16 000 handkolorierte Dias, die er für Schule und Erwachsenenbildung einsetzt – seine Dienstagsvorträge sind legendär. Ein Mitarbeiter berichtet: «Herr Abbé fotografierte und entwickelte alle Bilder meist selber und opferte für seine Diapositive Ruhe und Schlaf. Besonderen Spass machte es ihm, die Bilder zu bemalen. Es war eine Freude, ihm zuzusehen, wie er die schwarzweissen Dias mit sicherem Pinselstrich verwandelte.»
Joye pflegt Kontakt mit dem Chemiker Auguste Lumière in Lyon, dem Erfinder des Kinematographen, und mit «Pathé Frères» in Paris und Berlin, der ersten Filmgesellschaft. 1901 kommt er zu seinem ersten kurzen Filmstreifen, ab 1905 zeigt er regelmässig Filme – erst zwei Jahre später gibt es in Basel das Kino «Fata Morgana». Ein Filmverleih existiert noch nicht, man muss die Filme kaufen. Abbé Joye verschafft sich von überall her neue. So entsteht eine Sammlung von über 2000 Filmen.
Der Abbé gründet das Waisenhaus Vinzentianum und das Jugendheim Borromäum. Gegen viele Widerstände kämpft er für den Bau eines Saales im Borromäum, wo sich eine vielfältige Tätigkeit entwickelt: Der Jünglingsverein inszeniert Theater- und Musikaufführungen, wobei der Pater stets treibende Kraft ist. Aus dem «wissenschaftlichen Schülerzirkel», 1907 von ihm ins Leben gerufen, entsteht später die akademische Vereinigung «Renaissance».
Am 1. März 1919 stirbt Joseph Joye 67-jährig. Begraben ist er ob Zug, auf dem Jesuiten-Friedhof beim Lassalle-Haus.

Die Joye-Collection
Von den Filmen, die Joye sammelte, sind heute rund 1200 erhalten. 1976 hat der Jesuit Stefan Bamberger die Sammlung dem «National Film Archive» in London zur fachgerechten Restauration übergeben. Die Joye-Collection gilt in Filmkreisen als Sensation. Für die Filmhistorikerin Mariann Lewinsky-Sträuli dokumentiert sie «in einzigartiger Weise» die Geschichte der Filmproduktion in der dynamischsten Entwicklungsphase und durch sie «die Welt und Kultur ihrer Epoche». Die Sammlung enthält Meilensteine der frühen Kinogeschichte, die man längst verloren glaubte.
Die Kopien sind alle in 35-mm-Format. «Es wäre grossartig, wenn ein Projekt zu Stande käme, damit die Joye-Filme auf restaurierten Filmkopien in geretteten Farben der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden könnten», so Beat Schneider, stellvertretender Direktor der Institution Stadtkino Basel.
Hansruedi Kleiber SJ, Franz-Xaver Hiestand SJ

 

ZUM 100. TODESTAG VON ABBÉ JOYE SJ

Filmarbeit der Jesuiten einst und heute

Mit Jesuit Christof Wolf SJ, Filmemacher und Produzent, Loyola-Productions München
Sonntag, 3. März 2019, 15 – 18 Uhr
Anmeldung Lassalle-Haus, Bad Schönbrunn, Edlibach ZG

A propos de Joye
Film von Isolde Marxer
Freitag, 15. März 2019, 19.30 Uhr, Kollekte
Anmeldung aki Zürich, Hirschengraben 86, Zürich

Jesuiten als Filmpioniere und Hauptfiguren in Filmen
Seminar aus Anlass des 100. Todestages von Abbé Joye SJ
Samstag, 16. März 2019, 15 – 22 Uhr
Anmeldung aki Zürich, Hirschengraben 86, Zürich

Arbeit mit Filmen
Bewegte und bewegende Bilder: Christof Wolf SJ und Franz-Xaver Hiestand SJ loten in bester Abbé Joye-Tradition die inspirierende Kraft von Filmen unserer Tage in dieser besonderen Form von ignatianischen Exerzitien aus.

  • Zugänge zur spirituellen Dimension von Filmen
    01. – 03. März 2019, Fr 18.30 – So 13 Uhr
  • Exerzitien mit Filmen
    13. – 18. Oktober 2019, So 17 – Fr 13 Uhr
    Anmeldung Lassalle-Haus

Weihnachten: Fragen in unruhiger Zeit, Antworten mit Gott aus der Tiefe des Herzens

von Regula Lutz

Liebe Freundinnen und Freunde der Jesuiten

Weihnachten 2018! Das Fest von Jesu Geburt steht vor der Tür. Das Fest der Menschwerdung Gottes. Der Advent hat uns eingeladen, uns auf Menschwerdung hin vorzubereiten. Weihnachten ereignet sich, wenn Christus in uns Mensch wird und wir in ihm.

In einer Gesellschaft, in der das Humane immer stärker unter Druck kommt, ist Weihnachten neu von Bedeutung. Wo bleibt das Humane, das schreiende Kind und der sehnsüchtige Blick? Wo bleibt der kritische und kreative Geist, der Neues schafft, wenn der Mensch wie eine Maschine funktionieren muss. Roboter ersetzen ihn mehr und mehr. Er ist gesteuert von neuronalen Prozessen des Gehirns, löst sich in eine digitale Welt hinein auf.

In einer Welt, in der das Menschliche mit Füssen getreten wird, ist die Menschwerdung Gottes mehr als notwendig. Wo bleibt die Solidarität und das Teilen, die Herberge, die aufnimmt? Wo bleibt die Friedenszeit, die mit der Geburt Christi anbricht, wenn Menschenrechte an vielen Orten nicht garantiert sind. Weltweit haben wir noch nie so viele Menschen auf der Flucht gesehen. Entwurzelung, Vereinsamung, Armut sind für viele bittere Realität.

In einer Kultur, in der das Säkulare den Glauben an die Wand drängt, muss die Geburt des Erlösers gefeiert werden. Wo bleibt die Offenheit für Gottes Handeln an uns? Wo wird das Leben als Geschenk wahrgenommen, auf die biblische Botschaft gehört, wenn die Wissenschaften und der technische Fortschritt vorgeben, alles zum Besseren zu führen. Alles wird psychologisch und soziologisch erklärt. Gott ist nur ein Störfaktor.

Christi Geburt lässt uns auf das Leben als Geschenk blicken. Mit jedem Kind ist es neu gegeben. Gott vollendet mit uns und an uns das Menschliche. Die Freude darüber begleite Sie in diesen Festtagen.


Pascal Meyer SJ im weltweit grössten Flüchtlingscamp: Bildung für Junge

von Regula Lutz

Scholastiker Pascal Meyer SJ aus Langnau ZH ist seit Herbst 2018 im Team von Jesuit Worldwide Learning (JWL). Das Werk der Jesuiten ermöglicht Flüchtlingen und Benachteiligten in Krisenregionen hochwertige Online-Schulung in Zusammenarbeit mit Universitäten und lokalen Partnern.

Zurzeit ist Pascal Meyer (34) in Kakuma im Nordosten Kenias, im grössten Flüchtlingslager der Welt mit über 100 000 Menschen. Von dort erreicht uns seine Videobotschaft zum neu geschaffenen Kurs für Sportbegeisterte. Im Video berichten JWL-Studenten von ihren schweisstreibenden Stunden, die nicht nur ihnen guttun und sie aus dem Alltag des Flüchtlingscamps herausreissen. Vielmehr wollen sie das mit Online-Lehrern buchstäblich antrainierte Wissen über Bewegungsabläufe und Trainingsmethoden anderen jungen Menschen im Camp weitergeben.

Der Kurs lenkt die Aufmerksamkeit auch auf Frauenrechte im Camp. Dazu gibt es eine eindrückliche Einspielung von Kursteilnehmerin Keth, die bereits drei Volleyballteams gegründet hat. Die junge Frau sagt: «Viele glauben in ihrer Kultur, dass Frauen und Mädchen nicht spielen, keinen Ball kicken, keinen Mannschaftssport betreiben können. Sie behaupten, dies sei nur für Männer und ein Tabu für uns. Ich hoffe, dass ich nach Absolvierung dieses Kurses die Frauen mobilisieren kann. Ich werde ihnen die Bedeutung des Sports zeigen.» Eindrücklich sind auch die Wünsche, die die Kursteilnehmenden am Ende äussern junge Frauen und Männer, deren Leben ins Stocken geraten ist und die von einer besseren Zukunft träumen.

Zuvor war Pascal Meyer in der jordanischen Hauptstadt Amman und half bei der Hochschulbildung für Geflüchtete mit. Die meisten von ihnen stammen aus den Krisenregionen Ostafrikas – für sie ist Bildung die einzige Chance auf ein besseres Leben.



Weniger als ein Prozent aller Flüchtlinge haben Zugang zu Universitätsbildung. Dabei haben viele das Talent und den Willen zu studieren. Jesuit Worldwide Learning will hier ansetzen und mit entsprechenden Mitteln weitere Lernzentren eröffnen. Zurzeit bildet das Werk der Jesuiten über 3500 Studierende in 12 Ländern von Afghanistan bis Kenia aus. www.jwl.org
Was können die Studierenden mit ihren neu erworbenen «Diploma of Liberal Arts» anfangen? Welche Rolle spielt dabei die Regis University in Colorado? Und: Was hat ignatianische Pädagogik als Grundlage von JWL mit kritischem Denken und Verantwortungsbewusstsein zu tun? Antworten dazu von Pascal Meyer.


Radiopredigt zum Christkönig - Hochfest zum Ende des Kirchenjahres

von Regula Lutz

Röm.-kath. Radiopredigt auf srf 2, 25. November 2018 zum Christkönig – Hochfest zum Ende des Kirchenjahrs von P. Dr. Christian M. Rutishauser SJ.

Zur Predigt ...

 


Jesuit killed in South Sudan

von Regula Lutz

Message of Fr. Orobator, president JCAM

Dear Brothers:

Greetings of Peace from Nairobi!

I hope you are well.

The news of the tragic murder of Fr. Victor-Luke Odhiambo SJ in Cueibet, South Sudan, has shocked and saddened us all. May his soul rest in peace.
His death also wakes us up to the almost-forgotten tragedy of South Sudan. The violence that daily convulses the lives of millions of South Sudanese beggars belief.
Victor-Luke died a painful death, but it was for a cause. I know from personal experience that he believed the Jesuits should be in South Sudan because it was the greatest place of need in the province of Eastern Africa.
His death calls us and the world to wake up to the sad reality of South Sudan. We need to send a strong message to the international community.
Kindly find attached a Press Statement by the Jesuits of Africa and Madagascar on Fr. Odhiambo’s death and witness and the situation of South Sudan. The Statement not only describes and denounces the tragedy of violence and conflict, but is also intended to serve as a tool for international advocacy on behalf of South Sudan.
I would request that you widely circulate this statement among your networks, especially communication, advocacy and social apostolate. Kindly request all Jesuits in your Conference to circulate and disseminate this through social media and other means of communication.

I am grateful for your kind consideration and support.

Blessings,
Bator.

Agbonkhianmeghe Orobator, SJ
President Jesuuit Conference of Africa and Madagascar

Press Statement ...


Christian Roth und das Erbe der Jesuiten in Südamerika: Gesprächsabend 6. Dez. im aki

von Regula Lutz

 

Doppeltes Erbe: Christian Roth spricht am 6. Dezember im aki über die Reduktionen


Christian Roth hat zu den Reduktionen – den Jesuitensiedlungen in Südamerika – eine tiefe Beziehung: Er wuchs in Bolivien als Sohn des einstigen Jesuiten Hans Roth aus Baar ZG auf, der von 1972 bis 1999 in Bolivien sechs Reduktionen restaurierte. Wie der Vater ist Roth Architekt und kann die Hinterlassenschaft der Jesuiten in Bolivien und Paraguay, seit 1990 UNESCO-Weltkulturerbe, fundiert ermessen.

Am 6. Dezember 2018 nun besteht Gelegenheit, Christian Roth zu begegnen: Am Gesprächsabend im aki Zürich berichtet er über das Jesuiten-Erbe in Südamerika, das bis heute grosse Strahlkraft besitzt und soziale Bindung schafft. Für Christian Roth ein doppeltes Erbe: Seine Familiengeschichte ist eng mit der Geschichte der Jesuiten verflochten.

Sein Vater Hans Roth (1934 – 1999) war in jungen Jahren in den Jesuitenorden eingetreten. 1972 wurde Hans Roth nach Bolivien entsandt. Der ETH-Architekt sollte vorerst sechs Monate dort wirken – und blieb für immer. In der einstigen Jesuitensiedlung Concepción lernte er die deutsche Krankenschwester Heidi Schmidt kennen, die für «Terre des Hommes» arbeitete. 1976 trat Hans Roth aus dem Orden aus und gründete mit ihr, von der Befreiungstheologie beseelt wie er, eine Familie. «Meine Eltern redeten nicht bloss davon, sie lebten danach», sagt Christian Roth. «Viel hatten wir nicht. Von der Kirche erhielten wir eine Wohnmöglichkeit, von Entwicklungspartnern einen kleinen Verdienst». Viel war der Vater auch nicht zuhause. Hans Roth restaurierte mit Indios und Bruder Josef Herzog SJ in den Chiquitos, ein Gebiet sechs Mal die Schweiz, Bauten der Reduktionen, in denen die Jesuiten 1609 – 1767 gewirkt hatten. Er erstellte zudem zahlreiche Neubauten: Lehrwerkstätten, Wohnungen, neue Kirchen. Dabei stiess er auch auf das musikalische Erbe der Jesuiten: Roth fand Noten von sakraler Musik der einstigen Jesuiten, in Musikkreisen eine Sensation. Dies namentlich von Pater Martin Schmid SJ (1694 – 1772), gebürtiger Baarer wie er.

6.12.2018, 18.30 Uhr, aki Zürich, Hirschengraben 86: Abend mit Christian Roth. Gespräche, Klänge, Apéro. Moderation Pia Seiler.


Südamerika-Reise


Vom 6. bis 23.4.2019 führt Christian Roth mit Missionsprokurator Toni Kurmann SJ zum Weltkulturerbe der Reduktionen nach Paraguay und Bolivien. Mit Besuchen von Kirchen, Konzerten, Sozialprojekten. Die Reise wird vom Lassalle-Haus organisiert.

Vorbereitungstreffen: 8. bis 9.12.2018, Infos: www.lassalle-haus.org


In memoriam P. Dr. Werner Heierle SJ

von Regula Lutz

Im Rahmen des Jubiläums «100 Jahre aki Zürich» sind verschiedene Videos mit früheren Hochschulseelsorgerinnen und –seelsorgern, die im aki tätig waren, entstanden. Auch der am 29. Oktober 2018 verstorbene P. Dr. Werner Heierle SJ kommt zu Wort. Nach seinem schönsten pastoralen Erlebnis gefragt, erwähnt er Gottesdiensterfahrungen in der Diaspora, die er zusammen mit Studierenden machen durfte. So war er: Verwurzelt in der Eucharistie, aufmerksam für die Menschen, mit denen er unterwegs war, in sensibler Weise missionarisch und bestrebt, überall das Bewusstsein für Gottes Wirken zu verstärken.

In der für die Ordensgeschichte entscheidenden 32. Generalkongregation von 1974/1975 haben die Jesuiten festgehalten: «Wir wollen das Evangelium in Demut verkündigen. Das heisst: sich darüber klar sein, dass es in Kirche und Welt viele Aufgaben von grosser Bedeutung gibt, die wir nicht zu übernehmen in der Lage sind, (…). Und in den Aufgaben, die wir übernehmen können und sollen, bereit sein, mit anderen zusammenzuarbeiten, mit Christen, mit Angehörigen anderer Religionen, mit allen Menschen guten Willens; bereit, eine eher untergeordnete, helfende, ja auch eine anonyme Rolle zu spielen: bereit, von denen das Dienen zu lernen, denen wir zu dienen suchen.
Die Verfügbarkeit für die niedrigsten Aufgaben, oder zum mindesten das Verlangen danach, ist ein Teil der Identität des Jesuiten.» (Dekret 2, Nummer 29 und 30) Werner Heierle SJ hat diese Dimension jesuitischer Existenz beispielhaft vorgelebt.

P. Franz-Xaver Hiestand SJ, Leiter des aki

Hier finden Sie den Nachruf auf P. Werner Heierle SJ von P. Beat Altenbach SJ und die Predigt am Abschiedsgottesdienst von P. Hans Schaller SJ.



25 Jahre nach der Neuausrichtung: Das Lassalle-Haus auf kath.ch

von Pia Seiler

Das Lassalle-Haus Bad Schönbrunn ob Zug trägt den Namen eines Pioniers der Spiritualität. «Mit der Neuausrichtung vor 25 Jahren gelang es den Schweizer Jesuiten, ihr Bildungshaus neu zu positionieren», schreibt Martin Spilker auf kath.ch. 

Und weiter: «1993 wurde aus dem Bildungshaus Bad Schönbrunn das Lassalle-Haus. Der Name geht auf Hugo Enomiya Lassalle (1898-1990) zurück. Der in Japan tätige Jesuit war Wegbereiter des Zen in der westlichen Welt. Und für Niklaus Brantschen war er Vorbild für seine Idee, dem Bildungshaus eine völlig neue Ausrichtung zu geben.
Es habe Bedenken, Zweifel und Widerstand gegen die Neuausrichtung gegeben, sagte Brantschen anlässich der 25-Jahr-Feier am 25. Oktober 2018. Dies sowohl innerhalb der Gemeinschaft der Jesuiten, wie auch von aussen. Aber auch er habe Zweifel gehabt, ob es gelingen werde, sich unter diesem Namen und mit der neuen Ausrichtung zu positionieren.» 

Hier finden Sie den gesamten Beitrag von Martin Spilker. 

 


«Fakten gegen Vorurteile»: Christoph Albrecht SJ im «Sonntag» zur Flüchtlingssituation

von Regula Lutz

Christoph Albrecht SJ in der Wochenzeitschrift Sonntag zur Flüchtlingssituation und dem eigenen Handlungsspielraum: Wie kann man den Flüchtlingen hier bei uns begegnen, wie der Ohnmacht der Bilderflut etwas entgegensetzen? Lesen Sie, was Albrecht, Leiter Jesuit Refugee Service (JRS) Schweiz dazu antwortet.

Zum Interview ...


«Bahnbrechendes Werk»: Peter Achten über China-Buch von Laszlo Ladanyi SJ

von Pia Seiler

Die aufstrebende Grossmacht China ist Thema vieler Bücher. «Nur wenige tragen zur Erhellung der Sachlage bei», schreibt Peter Achten, langjähriger China-Korrespondent mit Wohnsitz Peking und der Schweiz. Es gibt für Achten Ausnahmen, darunter eine «bahnbrechende»: Das Buch von Laszlo Ladanyi SJ «The Communist Party of China and Marxism 1921–1985. A Self-Portrait». Anlässlich der Neuauflage 2018 würdigt Peter Achten das Werk des ungarischen Jesuiten. Ein Auszug seiner Rezension. 

«Bereits 1988 ist ein Buch erschienen, das für westlich geprägte Leserinnen und Leser sowie für Marxismus-unkundige Sinologen und Journalisten Licht ins Dunkle bringt. Autor ist der Ungare Laszlo Ladanyi.
Er stammt aus einer jüdischen Familie, die zum Katholizismus konvertiert ist. Ladanyi studiert am Budapester Konservatorium Violine und an der Universität die Rechte. Nach seiner Promotion tritt er 1936 dem Jesuiten-Orden bei. Ladanyi lebt und studiert von 1940 bis 1949 in China – während des Krieges gegen Japan, des 2. Weltkrieges und des nationalistisch-kommunistischen Bürgerkrieges. 1949 lässt er sich in Hong Kong nieder und veröffentlicht dort von 1953 bis 1982, ausschliesslich auf chinesischen Quellen basierend, eine wöchentliche China News Analysis. Danach arbeitet er an seinem bahnbrechenden Buch «The Communist Party of China and Marxism 1921–1985. A Self-Portrait». Laszlo Ladanyi zeigt die Geschichte der KP Chinas von innen, gestützt ausschliesslich auf chinesische Quellen. 

Viel Neues zu Mao und dem «Grossen Sprung nach Vorn»
Ladanyi zeigt in seinem Buch viel Neues. So ist Mao nicht, wie die offizielle chinesischen Geschichtsschreibung behauptet, bereits während des Langen Marsches 1935 zum unbestrittenen Führer aufgestiegen, sondern erst zehn Jahre später nach Säuberungen, die in den folgenden Jahrzehnten unter gänzlich unterschiedlichen Methoden zu einem Merkmal der KP Chinas geworden sind. Bis heute.
Neues Licht wirft Ladanyi auch auf den «Grossen Sprung nach Vorn» (1958–61) mit der katastrophalen Hungersnot mit über 35 Millionen Toten, auf die «Grosse Proletarische Kulturrevolution» (1966–76), auf Aufstieg und Fall von Feldmarschall Lin Biao und den Kampf Deng Xiaopings für die Wirtschaftsreform gegen harten Widerstand. Wie jede Nation, so Ladanyi, wird auch China und die allmächtige Kommunistische Partei früher oder später nicht darum herumkommen, sich der eigenen Geschichte zu stellen. Bis heute bleibt ausserhalb der parteilich verordneten Interpretation die neueste Geschichte Chinas ab 1949 tabu.
Wenn man das moderne China und vor allem die KP unter der Führung von Staats-, Partei- und Militärchef Xi Jinping verstehen will, kommt man um das in einer Neuauflage wieder erhältliche Buch von Ladanyi nicht herum.»
Peter Achtens Gesamtbeitrag auf www.journal21.ch. Die Internet-Plattform wurde von Heiner Hug mitbegründet und publiziert Beiträge namhafter Journalistinnen und Journalisten.

 

«The Communist Party of China and Marxism 1921–1985. A Self-Portrait», Laszlo Ladanyi SJ, Neuauflage Mai 2018, Hurst Publishers London. Taschenbuch auf Englisch. Neuverfasst sind: Vorwort von Friedrich Young, biografische Anmerkungen von Edmund Ryden SJ, Epilog von Peter Hoffenreich.


Óscar Romero und die Jesuiten

Óscar Arnulfo Romero y Galdámez (1917 – 1980), so der volle Name des Erzbischofs von San Salvador, wurde am 14. Oktober 2018 in Rom zusammen mit Paul VI., der deutschen Nonne Katharina Kasper und 4 weiteren Menschen heiliggesprochen.

Eine rechtsgerichtete Todesschwadron ermordete Romero 1980, als er die Messe in einer Krankenhauskapelle in San Salvador las. Romero war einer der prominentesten Verfechter der Befreiungstheologie. Er trat für soziale Gerechtigkeit und politische Reformen ein und brachte die reichen Eliten und das Militär in seiner Heimat El Salvador gegen sich auf. Das Attentat war Auslöser des salvadorianischen Bürgerkriegs, der bis 1992 rund 75 000 Menschen das Leben kostete. Das aki (katholische Hochschulgemeinde Zürich) hat den Ermordeten am Tag seiner Heiligsprechung im Rahmen des wöchentlichen Hochschulgottesdienstes gewürdigt.
Hochschulgottesdienst jeweils Sonntagabend, 20 Uhr, Liebfrauenkirche Zürich, Tramhaltestelle Haldenegg.

Lesen Sie im Folgenden den Beitrag von Nikolaus Klein SJ, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Jesuitenbibliothek. Klein berichtet insbesondere von der tiefen Freundschaft Óscar Romeros mit Rutilio Grande SJ. Der Jesuitenpater wurde drei Jahre vor Romero ermordet. Rutilio Grandes Tod am 12. März 1977 markiert einen traurigen Wendepunkt in El Salvador, dem mittelamerikanischen Land halb so gross wie die Schweiz und mit heute 7,3 Millionen Einwohnern: Erstmals in der salvadorianischen Geschichte der 1970er Jahre war ein Priester Opfer eines politisch motivierten Mordes geworden. 

Zum Beitrag Óscar Romero und Rutlilio Grande