Petrus Canisius: Neues Buch von Pierre Emonet SJ über den bedeutenden Jesuiten der Pionierzeit

Weit herum bekannt in Nordeuropa, kaum beachtet bei uns: «Peter Canisius ist eine der beeindruckendsten Figuren aus der Pionierzeit der Gesellschaft Jesu – der Typus des einfachen Jesuiten», sagt Pierre Emonet SJ anlässlich der Veröffentlichung seines neuen Buches Pierre Canisius: L’infatigable réformateur de l’Église d’Allemagne (1521-1597)/ Petrus Canisius: Der unermüdliche Reformator der Kirche in Deutschland (1521-1597). Ein Überblick zu Canisius’ Leben und Wirken von Pierre Emonet SJ, ehemaliger Provinzial der Schweizer Jesuiten, heute Herausgeber der Zeitschrift Choisir.

Petrus Canisius ist der Typus des einfachen Jesuiten. Dennoch hatte dieser einfache Jesuit grossen Einfluss: Canisius hat den deutschen Katholizismus nachhaltig geprägt. John W. O’Malley, Historiker und Kenner der Jesuiten-Geschichte, schrieb über Canisius: «In keinem anderen Teil Europas, wo sich die Gesellschaft Jesu entwickeln konnte,  verdankt sie ihren Erfolg und ihre Identität so eindeutig einem Einzelnen wie in Deutschland. Nirgendwo in Europa hat die Gesellschaft Jesu so früh eine so zentrale Rolle bei der Definition des Charakters des modernen Katholizismus gespielt. Dies ist im Wesentlichen das Verdienst von Canisius.»(1)

Petrus Canisius lebte in einer Zeitenwende. Europa bewegte sich aus dem Mittelalter durch die Renaissance in die Moderne. Eine neue Welt war im Entstehen: Der Mensch rückte als Subjekt ins Zentrum, der Glaube wurde infrage gestellt, Autoritätshaltung und Nationalbewusstsein wurden neu überdacht. Traditioneller Glaube und religiöse Praxis schwächten sich in Deutschland ab; Korruption und der Wettlauf um kirchlichen Profit diskreditierten selbst die höchsten Ebenen der Kirche. Luthers Reformation gewann rasch an Boden und politischer Legitimität.

Im Gegensatz zu anderen Ordensgefährten ist Petrus Canisius kein Spezialist auf einem  Gebiet, ist als Theologe weniger originell und brillant als seine Kollegen Diego Laínez und Alfonso Salmerón. Und doch lehrte er an den Universitäten von Ingolstadt und Wien, wurde zweimal zum Konzil von Trient eingeladen und nahm als Theologe an zahlreichen Kolloquien und Tagungen des Landtages teil. 

In der Sendung bescheidener als Franz Xaver, durchkreuzte er Europa in alle Richtungen, von Messina bis Warschau und Prag, von Wien bis Köln und Strassburg. Zu Fuss und zu Pferd legte er gegen 100 000 Kilometer zurück – eine Strecke zweimal um die Welt, um Christus zu verkünden und den katholischen Glauben zu verteidigen.(2)

Canisius war ein erfolgreicher Schriftsteller und der erste Jesuit, der Bücher signierte. Seine Katechismen, mehrfach neu aufgelegt, blieben bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Gebrauch. Er wurde als Prediger an den Höfen von Wien, Innsbruck und München ernannt, und ihm standen die renommiertesten Lehrstühle Deutschlands offen. 1556 wurde Petrus Canisius zum  ersten Provinzial der süddeutschen Jesuiten ernannt. Die neu errichtete Provinz erstreckte sich vom Elsass über Süddeutschland und Österreich bis nach Böhmen und Polen. Er gründete im Lauf der Jahre 18 Jesuitenkollegs. Er war Rektor und Vizekanzler der Universitäten, Apostolischer Administrator der Diözese Wien, reiste, schrieb, lehrte, empfing, bekannte, besuchte Gefangene und Kranke, sammelte Gelder für seine Hochschulen und unterstützte die römischen Institutionen der Gesellschaft.

Als fleissiger Arbeiter scheint er die Müdigkeit zu ignorieren, wenn es darum geht, den Glauben zu verteidigen.Er war ein gefragter theologischer Berater für alle, die sich um das Schicksal der Kirche in Deutschland sorgten: Der Kaiser, der Papst und seine Kurie, Könige, Fürsten, Nuntien und Kardinäle sowie Ordensobere berieten sich mit ihm. Sein Einfluss auf die Religionspolitik des Reiches war entscheidend. Die Vielfalt seiner Verpflichtungen und die Bedeutung der Herausforderungen, denen er sich stellte, formten ihn. Mit seinem Leben und Handeln verkörpert er den idealen Typus der Gesellschaft Jesu  – dies zu einer Zeit und in einer Region, die von der mühsamen Geburt der Neuzeit besonders betroffen war. Pierre Emonet SJ

1. John W. O’Malley, Les premiers jésuites (1540-1565), Paris, Desclée de Brouwer, coll. Christus, 1999, S. 387-388.
2. Zu den damaligen Reisegewohnheiten der Jesuiten vgl. Mario Scaduto, La Strada e i primi gesuiti, Rom, Archivum Historicum Societatis Jesu, Extractum, Bd. XL-1971, 1971.

Das Canisius-Buch von Pierre Emonet SJ ist dieser Tage im Verlag Lessius erschienen, die deutsche Ausgabe folgt im Verlag Echter.

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